Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

WANDRUSZKA, Adam: Anton Steindl Ritter von Plessenet. Ein österreichischer Diplomat in der Levante

454 Adam Wandruszka zuführen, wenn Steindl nunmehr die Schattenseiten des von ihm seit mehr als 16 Jahren ausgeübten aktiven Dolmetschdienstes so sehr be­tonte. „Von den Mühseligkeiten und Unannehmlichkeiten, die mit demselben ver­bunden sind, von den Schwierigkeiten und Intriguen, mit denen man fast bei jeder Geschäftsverhandlung mit den Türken zu kämpfen hat, von der Selbst- verläugnung, welche nöthig ist, um mit diesen, der Mehrzahl nach hochmüthigen, rohen und wortbrüchigen Menschen im dienstlichen Verkehr gut auszukommen und sich nicht mit ihnen auf eine dem Geschäftsgänge nachtheilige Weise zu Überwerfen, kann man sich keinen richtigen Begriff machen, wenn man nicht selbst in die traurige Lage gekommen ist, mit ihnen in unmittelbare Verhand­lung zu treten“ 44). Zwar versprach Schwarzenberg die Berücksichtigung Steindls bei der nächsten sich bietenden Gelegenheit und beantragte unter Hinweis auf eine Reihe von Präzedenzfällen im Laufe der letzten hundert Jahre die Gewährung der erbetenen Brand-Entschädigung * 15), aber es dauerte dann doch noch bis zum März 1850, ehe Steindl, der inzwischen von der Stelle des dritten auf die des zweiten Dolmetsch vorgerückt war und zudem als Delegierter der Internuntiatur beim türkischen Sanitätsrat eine rege und fruchtbare Tätigkeit entfaltet hatte, zum Konsul in Saloniki ernannt wur­de. Doch schon nach wenigen Monaten wurde er, weil, wie der Außen­minister Graf Buol drei Jahre später schrieb, „wegen eines bei der Inter­nuntiatur damals eingetretenen Todesfalles Niemandem außer Steindl das so schwierige Amt des ersten Dolmetsch mit voller Beruhigung hätte anvertraut werden können“ 16), wieder nach Konstantinopel berufen, um dort den Dienst als erster Dolmetsch zu versehen, wobei ihm allerdings Titel und Gehalt eines Konsuls mit dem Versprechen einer späteren Rückkehr in die Konsularlaufbahn belassen wurden. 1852 war er als Präses der österreichischen Kommission maßgeblich an der Revision des österreichisch-türkischen Zolltarifs beteiligt und bewährte sich dabei ebenso wie ein Jahr später anläßlich der Mission des Feldmarschall-Leut­nants Graf Christian Leiningen-Wester bürg als Mittelsmann zwischen dem Sondergesandten des Kaisers und dem ottomanischen Ministerium, wobei der volle Erfolg des österreichischen „Säbelrasselns“17) gewiß auch durch seine unüberbietbare Kenntnis der Verhältnisse an der Hohen Pforte miterzielt wurde. Mit der Verleihung des Ritterkreuzes des Leopoldsordens am 7. Juni 1853 und schließlich mit der Ernennung zum Generalkonsul in Smyrna am 10. März 1854 — der Posten war durch die Bestellung des bisherigen 14) Gesuch Steindls, Konstantinopel 1848 Dezember 4: PSt. 15) Vortrag Schwarzenbergs, Olmütz 1848 Dezember 31, Dankschreiben Steindls, Konstantinopel 1849 Jänner 31: PSt. iß) Vortrag Buols 1854 Februar 25: PSt. Der von Buol hier erwähnte Todes­fall war der des ersten Dolmetsch Theodor Ritter von Schwarzhuber, ii) S r b i k Erinnerungen 63.

Next

/
Oldalképek
Tartalom