Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit

446 Peter Broucek Seine wesentlichsten Leistungen setzte Schels jedoch weiterhin auf dem Gebiet der Historik, wobei kein Jahr verging, in dem er nicht in der von ihm geführten Zeitschrift mehrere Aufsätze veröffentlichte. Die Themen erstreckten sich dabei von der Eroberung Konstantinopels 1204 (1828) bis zu den Kämpfen der Engländer in Burma 1824 bis 1826 (1831), dem Feldzug der Russen gegen das Osmanenreich 1829 (1831) und der Niederschlagung des polnischen Aufstandes 1831 (1834). Soweit er für seine Darstellungen die im Kriegsarchiv verwahrten Archivalien heran­ziehen konnte, hat er sie seinen Arbeiten zugrunde gelegt. Er unterzog sich sogar zwecks Bereicherung des im Kriegsarchiv damals besonders spärlichen Aktenmaterials über die Kriegsrüstungen und Kämpfe gegen die Türken in Ungarn von 1516 bis 1540 und 1564 bis 1570 der Arbeit, 126 lateinische Relationen aus verschiedenen Geschichtswerken abzu­schreiben und dem Archiv zu überreichen 13). Neben dieser Unzahl von mehr oder weniger umfangreichen Aufsätzen wagte sich Schels auch an größere Darstellungen heran, die, selbst wenn sie heute vergessen sind, nicht nur ein bemerkenswertes Beispiel für den Fleiß dieses Mannes darstellen. Sie sind vielmehr auch deshalb von Bedeutung, da sie zum Teil an verschiedene Kadettenkompanien und Schulen der Armee zum Ankauf vorgeschrieben wurden und somit als für ihre Zeit wesentliche Bildungsmittel des Offizierskorps auf dem Gebiet der Geschichte anzu­sehen sind. Dies gilt insbesondere für die Militärisch-politische Geschichte der Länder des österreichischen Kaiserstaates, die in zehn Bänden in Wien 1819 bis 1837 erschien. Besonders geschätzt wurden auch die Bei­träge zur Kriegsgeschichte und Kriegswissenschaft (12 Bände, Wien 1828 bis 1833) und die Kriegs-Scenen (aus der öster. Kriegsgeschichte 1509— 1815) als Beispiele des Felddienstes (4 Bände, Pest 1843). Diesem Werk war noch ein vierbändiges Lehrbuch, Der Felddienst (Wien 1840), vorher­gegangen. Schels selbst war inzwischen mit 4. August 1820 pensioniert worden, aber schon mit 16. August dieses Jahres war das hofkriegsrätliche Dekret datiert, nach dem Schels ab 22. August im Kriegsarchiv belassen wurde mit dem Genuß des Superplus auf die Infanterie-Hauptmann-Gebühr. Nach mehreren Versuchen, für ihn die Beförderung zum Major zu erlangen, erhielt er diese Charge erst mit kaiserlicher Entschließung vom 26. Novem­ber 1831 verliehen, allerdings bei gleichzeitiger Bestellung zum Biblio­thekar des Kriegsarchivs. Innerhalb seines nun bedeutend erweiterten Tätigkeitsbereiches leistete der Offizier Wesentliches auf organisatori­schem Gebiet. Gemäß den von ihm ausgearbeiteten Grundsätzen wurde mit 13) Ebenda 289/1829: Schels an das KA 1829 November 13, Or.; KA Manuskripte zur Kriegsgeschichte n. 3: Auszüge aus lateinischen Quellen für die ungarische Kriegsgeschichte, größtenteils aus gedruckten Berichten von Augenzeugen oder doch gleichzeitig geschöpften Relationen für die Jahre 1516 bis 1540 und 1564 bis 1570 (s. 1., 1829).

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