Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

BROUCEK, Peter: Johann Baptist Schels. Offizier, Archivar und Historiker der Biedermeierzeit

Johann Baptist Schels 447 der Zusammenstellung des schließlich 1853 herausgegebenen Bücherkata­logs begonnen, auch nahm er eine neue Gliederung des damals etwa 20.000 Bände umfassenden Bestandes in vier Unterabteilungen vor. Da­neben verfaßte Schels in einem umfangreichen Manuskript eine Dar­stellung der Geschäfte, welche in der k. k. Kriegsbibliothek gewöhnlich Vorkommenu). Immer wieder setzte sich Schels auch für die Bergung gefährdeter Aktenbestände ein, wie etwa Heister’scher Akten auf Schloß Kirchberg an der Raab, Steiermark tä), und Manuskripte des bekannten Tiroler Landesverteidigers, P. Joachim Haspinger O. M. Cap. Infolge seiner reichen publizistischen Tätigkeit und seiner sonstigen Fähigkeiten wurde Schels zum Ehrenmitglied verschiedener gelehrter Ge­sellschaften ernannt, beispielsweise auch von Joseph v. Hormayr besonders geschätzt und schließlich sogar zu einem Gutachten über den vorliegen­den Entwurf der Statuten für eine „Österreichische Akademie der Wissen­schaften“ herangezogen. In seinen diesbezüglichen Bemerkungen, kommt der Standpunkt des übernationalen und -regionalen kaiserlichen Offiziers besonders schön zum Ausdruck 14 15 16): „Eine österreichische Akademie der Wissenschaften dürfte auf keinen Fall den Standpunkt einer Provinzial-Akademie der Ober-, Nieder- und Inner- österreichischen Provinzen einnehmen, sondern müßte sich zu jenem einer Akademie des Kaiserthums Österreichs erheben. Eine Wiener Akademie, eine Akademie der österreichisch-deutschen Provin­zen entspricht dem hohen Zwecke nicht, die gesammten Gelehrten der vierund- dreissig Millionen Österreicher aller Stämme und Zungen durch ein literarisches Band eben so fest zu vereinen, als diese verschiedenen Landschaften und Volks­stämme durch das Allerhöchste Kaiserhaus und die obersten Regierungsstellen in politischer, durch das Heer in militärischer Hinsicht unauflöslich verbunden sind ... Die ökonomischen Details herrschen zu sehr vor. Ein Versorgungshaus für literarische Invaliden? — Dies wäre ein kleinlicher Zweck einer grossen Unter­nehmung ... Das literarische Überflügeln in deutscher Kultur ist bereits geschehen. Da­her soll sich die österreichische Akademie auch die Beförderung einer eigenen österreichischen Kultur, welche ohnehin mit der allgemeinen europäischen Hand in Hand gehen muß, zum Ziele nehmen ... 14) KA Direktionsakten 132/1832: Schels an das KA 1832 März 25, Or. 15) Ebenda 68/1830: Schels an das KA 1830 März 21, Or. — Feldmarschall Siegbert Graf Heister (1646—1718) starb auf seinem Gut Kirchberg an der Raab, Bez. Feldbach, Steiermark. Die damals erworbenen Akten wurden in den Bestand Alte Feldakten eingereiht. 1(i) KA Nachlässe und Donationen B/659, Nr. 50: „Schels’ Bemerckungen über Errichtung einer österreichischen Akademie der Wissenschaften“, s. d. (um 1837?) Abschrift. Es dürfte sich um Bemerkungen zur Bittschrift des Josef Frh. v. Hammer-Purgstall an Franz Anton Graf Kolowrat-Liebsteinsky aus dem Jahre 1836 handeln, die als Grundlage der Bittschrift von zwölf Gelehrten an den Kaiser vom 18. März 1837 diente. Vgl. Richard Meister Geschichte der Akademie der Wissenschaften in Wien 1847—1947 (Denkschriften der Gesamt­akademie 1, Wien 1947) 19 f.

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