Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert
254 Sigismund Paul Pacái schlesisches (Görlitzer) Tuch in Verschleiß gebracht, bzw. nach den Märkten der Städte Debrezin (Debrecen) und insbesondere Großwardein (Nagyvárad, Oradea Mare) vermittelt 45). Der polnisch-ungarische Verkehr führte an solchen Zollstellen — an dem Kaschauer Hauptdreißigstamt und seinen Filialen 46) — vorbei, auf welche sich die aus dem Jahre 1542 erhaltenen Dreißigstbücher ebenso wenig erstreckten, wie auf die Ämter im Waagtal, die die schlesische Handelsstraße überwachten. Die Zollbücher einer der Kaschauer Gruppe gehörenden Dreißigststelle, nämlich die von Bartfeld, sind aber doch auf uns gekommen, wenngleich mit einer früheren Provenienz: 1504—1507. Sie weisen einen überwiegenden, 79prozentigen Anteil der Textilien auf und innerhalb dessen ein entscheidendes Übergewicht der ost-mitteleuropäischen Tuchsorten: Aus dem 1361 Stück betragenden durchschnittlichen Jahresimport machten die mährischen und schlesischen Produkte mittelmäßiger und billiger Qualität 1336 Stück aus, während die westeuro- ischen und niederrheinischen Webewaren nur mit verschwindend geringen Posten vertreten waren 47). Und daß der Import vom Norden her auch in der Mitte des Jahrhunderts bedeutsam geblieben war, läßt sich durch eine Kaschauer Dreißigstrechnung beweisen, welche um kaum anderthalb Jahrzehnte jünger ist als die Dreißigstbücher vom Jahre 1542. Demnach entrichteten 1555 allein die Bürger der Stadt Kaschau einen Zoll von 2672 fl. nach ihrem Import aus Polen, den sie überwiegend eben über Bartfeld abwickelten48). Dies ist eine ansehnliche Summe, besonders wenn wir bedenken, daß 1542 der Gesamtimport aller Dreißigststellen der westlichen Grenze nicht mehr als 6761 fl. Zolleinnahmen erbrachte 49), und wenn wir in Betracht ziehen, daß die Bürger der Stadt Kaschau im Sinne ihrer alten Privilegien nur die Hälfte der Dreißigstgebühren zu entrichten verpflichtet waren50). Obwohl die erwähnte Rechnung den 45) A kassai kereskedelmi társaság följegyzései 1502 és 1503 [Akten der Kaschauer Handelsgesellschaft 1502—1503], bearb. v. György Kerekes in Magyar Gazdaságtörténelmi Szemle 9 (Budapest 1902) 108; Ondrej R. Hala- g a Kauf leute und Handelsgüter der Hanse im Karpatengebiet in Hansische Geschichtsblätter 85 (Köln-Graz 1967) 83. 46) Laut dem Gesetzartikel 34/1498 hatte das Kaschauer Hauptdreißigstamt folgende Filialen: Bartfeld, Leutschau (Lőcse, Levoca), Käsmark (Késmárk, Kezmarok), Lublau (Lubló, Stara Lubovna), Sztropkó (Stropkov) und Homonna (Humenné). Im Jahre 1557—58 funktionierte schon eine Dreißigststelle auch in Eperjes. 47) Erik F ü g e d i Magyarország külkereskedelme a XVI. század elején [Der Außenhandel Ungarns zu Beginn des 16. Jahrhunderts] in Agrártörténeti Szemle 11 (Budapest 1969) 7. 48) Lajos Kemény A kassai harmincad története a XVI. század végéig [Die Geschichte des Kaschauer Dreißigstamtes bis zum Ende des 16. Jahrhunderts] in Magyar Gazdaságtörténelmi Szemle 1 (Budapest 1894) 308. 49) Ember Külkereskedelmünk 335. 50) K e m é n y A kassai harmincad 304, 307, 309.