Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert
Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn 249 Wenn dem Übergewicht der west-, bzw. west-mitteleuropäischen Tucheinfuhr eine vorherrschende Lage der Donau-Einfuhrstraße entsprochen hatte, so mußte das Vordringen der mährischen und schlesischen Tuchsorten — selbst wenn ihre Einfuhr auch über Preßburg ansehnliche Ausmaße angenommen hatte — im ungarischen Textilimport notwendigerweise ein Ansteigen der Bedeutung der Handelsstraßen nördlich der Donau zur Folge haben. * Von den Handelsstraßen nördlich der Donau muß zuerst der m ä h rise h e W e g des näheren betrachtet werden. Die Regulierung und Begünstigung dieser Straße diente in den dreißiger Jahren des 14. Jahrhunderts noch dem Zwecke, für die flandrischen, rheinischen und süddeutschen Kaufleute unter Vermeidung des 1312 wieder geltend gemachten Stapelrechts von Wien23) vom West-Nord westen her, über Böhmen und Mähren, mit Berührung von Prag und Brünn, und weiter nicht über Preßburg, sondern über Neuburg (Holies, Holic), Sassin (Sasvár, Öastin) und Tyrnau (Nagyszombat, Trnava) mit der ungarischen Hauptstadt eine Verbindung herzustellen 24). Selbst wenn diese Verbindung zur Zeit der Hussitenkriege unterbunden worden war, wurde sie um so wichtiger zur Zeit der Kämpfe zwischen Friedrich und Matthias, als nicht nur Nürnberg und andere oberdeutsche Städte, sondern auch Salzburg mit Ungarn über Brünn Handel trieben25). In den ersten Jahrzehnten des 16. Jahrhunderts hatte zwar die mährische Handelsstraße ihre Funktion als „Umweg“ bereits verloren — es wurde ja der unmittelbare Verkehr entlang der Donau wiederhergestellt, was auch durch das Aufhören des türkische Zollstation Vác (Waitzen) wurden vom 22. Juli 1563 bis zum 9. März 1564 insgesamt 3797 Stück Tuch eingeführt, davon 2989 Stück mährisches und schlesisches Produkt; in Buda wurden im Jahre 1571 insgesamt 4220 Stück Tuch von westlicher Herkunft verzollt, darunter 2828 Stück aus Schlesien und Mähren. — Gyula Káldy-Nagy Statisztikai adatok a török hódoltsági terület nyugat felé irányuló áruforgalmáról 1560—1564-ben [Statistische Angaben zum westlichen Warenumsatz des unter Türkenherrschaft stehenden Gebietes von Ungarn 1560—1564] in Történeti Statisztikai Évkönyv 1965—66 (Budapest 1968) 38—39; Lajos Fekete — Gyula Káldy-Nagy Budai török számadáskönyvek 1550—1580 [Rechnungsbücher türkischer Finanzstellen in Buda 1550—1580] (Budapest 1962) 577. 2S) Die Rechte und Freiheiten der Stadt Wien 1, bearb. v. J. A. Tom a- s c h e k (Wien 1877) 88—89. *4) Domanovszky Harmincadvám 8—10; Pleidell Külkereskedelem 36—41. 2ä) Mayer Der auswärtige Handel 53, 74, 122, 147; Hans Schenk Nürnberg und Prag (Gießener Abhandlungen zur Agrar- und Wirtschaftsforschung des europäischen Ostens 46, Wiesbaden 1969) 169—170.