Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

PACH, Sigmund Paul: Zur Geschichte der Handelsbeziehungen zwischen Österreich und Ungarn im 15. und 16. Jahrhundert

250 Sigismund Paul Padi Wiener Stapelrechts befördert wurde 26) —, sie hat aber ihre Bedeutung im Außenhandel gar nicht verloren. Die Grenze gegen Mähren erreichte gerade zu dieser Zeit einen sehr ansehnlichen Anteil an der ungarischen Ausfuhr, nämlich im Viehexport27); es kann aber auch von ihrer Rolle in der Einfuhr, das heißt im Import der böhmisch-mährischen Tuche nicht abgesehen werden, obwohl die aus dem Jahre 1542 erhalten gebliebenen Dreißigstbücher der Ämter der mährischen Handelsstraße, Neuburg, Sas- sin und Tyrnau, wie auch des ebenfalls zur Tyrnauer Dreißigstgruppe gehörenden Skalitz und des damals schon selbständig gewordenen Wart­berg (Szempc, Senec) nur Ausfuhrposten aufweisen; Einfuhr wird in ihnen gar nicht erwähnt28). Es muß aber in Betracht gezogen werden, daß die ungarische Kammer damals die Einnahmen der genannten Dreißigsstellen mit einem Pfand­besitzer namens Alexius Thurzó, einem der reichsten Magnaten des Lan­des, zu teilen hatte, und daß die erhalten gebliebenen Dreißigstregister Tagebücher der königlichen Dreißigstbeamten sind, die nur die zugunsten der Kammer eingetriebenen Zölle anführen29). Eine königliche Verord­nung 1545 gibt uns Information darüber, wie in den vorangegangenen Jahren die Teilung der Einnahmen dieser „inscribierten“ Dreißigststellen vor sich gegangen war: Aus den Zöllen der Ausfuhr erhielt der König einen Anteil von 50 bis 100 Prozent; die Einfuhrzollgebühren fielen dem­gegenüber meistens völlig dem Pfandbesitzer zu 30). In den aus dem Jahre 1542 erhalten gebliebenen Tagebüchern der Tyrnauer Dreißigstgruppe figurieren also aller Wahrscheinlichkeit nach ausschließlich Ausfuhrposten nicht deshalb, weil über diese Zollstellen keine Einfuhr erfolgte, sondern deshalb, weil die Einfuhr in die Tagebücher der königlichen Dreißigst­beamten nicht eingetragen wurde. Die Einfuhrzollgebühren wurden ja völlig von denen des Pfandbesitzers eingetrieben. * Eine noch größere Aufmerksamkeit als der mährischen muß der schlesischen Handelsstraße gewidmet werden, die aus nord­westlicher Richtung auf Ungarn zuführte. Im Bereiche des Exports wurde 26) Mayer Der auswärtige Handel 161—162. 27) Zsigmond Pál P a c h The Role of East-Central Europe in International Trade (16th and 17th centuries) in Études historiques (Budapest 1970) 244—245. 2S) Győző Ember Külkereskedelmünk történetéhez a XVI. században [Zur Geschichte des ungarischen Außenhandels im 16. Jahrhundert] in A Magyar Tudományos Akadémia Társadalmi-Történeti Tudományok Osztályá­nak Közleményei 8 (Budapest 1958) 325, 335. 29) Ebenda 322—323. 30) Ignác A c s á d y Magyarország pénzügyei I. Ferdinánd uralkodása alatt 1526—64 [Die Finanzen Ungarns unter der Regierung Ferdinand I.] (Budapest 1888) 133—134.

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