Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

SPĚVÁČEK, Jiří: Das Eingreifen König Johanns von Böhmen in die Praxis des Notariatswesens in Parma

210 Jirí Spévácek Editionen, Mitteilungen über Ergebnisse archivalischer Forschungen und auf Sammelberichte über die Erforschung einzelner Archivbestände stützte, soweit es sich um Urkunden aus ausländischen Archiven und Bibliotheken handelte, auch unsere Urkunde fehlt4). Ende der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts versuchte Emil Schieche, ein Urkundenbuch Johanns von Böhmen zu bearbeiten und unternahm zu diesem Zweck mehrere Archivreisen u. a. auch nach Italien 5). Unsere Urkunde aber blieb auch ihm unbekannt. Als es dem amerikanischen Forscher deutscher Her­kunft Theodor E. Mommsen 1952 endlich gelang, die Ergebnisse seiner Forschungsarbeiten in italienischen Archiven und Bibliotheken während der Jahre 1933—1934 zu publizieren, kam die Urkunde Johanns von Böh­men zum ersten Mal ans Tageslicht, aber leider nur in Form eines knap­pen, unvollständigen Regests 6). Als ich mich mit den Anfängen der Kanz­lei des jungen Karl IV. auf italienischem Boden beschäftigte, erfaßte ich die Originalurkunde Johanns von Böhmen vom 8. Mai 1331 aus dem Staatsarchiv Parma 7) und veröffentlichte daraufhin eine kurze Informa­tion über ihre äußeren Merkmale 8). Die bisherige Historiographie bezeichnete bis in die letzte Zeit hinein nicht selten und nicht immer zu Recht die italienische Signorie Johanns von Böhmen als ein politisches Abenteuer 9). Die Analyse des leider sehr lückenhaft überlieferten Urkundenmaterials sowie der anderen italieni­schen Geschichtsquellen einschließlich der gleichzeitigen Kaiser- und 4) Regesta diplomatica nec non epistolaria Bohemiae et Moraviae, pars III: annorum 1311—1333 und pars IV: annorum 1333—1346, opera Josephi Emi er (Pragae 1890—1892). Die betreffende Urkunde befindet sich weder im III., noch unter den Nachträgen im IV. Teil dieser Edition. Es sei betont, daß in Emlers Urkundenregesten nicht nur Bohemica enthalten sind. s) Emil Schieche PHspévky k déjinám politiky Jana Lucemburského podle pramenú italskych archivü [Beiträge zur Geschichte der Politik Jo­hanns von Luxemburg nach Quellen aus italien. Archiven] (Praha 1927); auch in Zprávy Öeského zemského archivu [Mitteilungen des Böhmischen Landes­archivs] 7 (1932) 45—68. 6) Italienische Analekten zur Reichsgeschichte des 14. Jahrhunderts (1310— 1378) von Theodor E. Mommsen unter Mitarbeit von Wolfgang Hagemann in Schriften der MGH 11 (Stuttgart 1952) n. 204 (aus dem Orig.). 7) Für die Anfertigung einer Kleinbildaufnahme danke ich Herrn Staats­archivdirektor Prof. Ettore Falconi in Parma sehr herzlich. 8) Jirí Spévácek Die Anfänge der Kanzlei Karls IV. auf italienischem Boden in den Jahren 1332/33 in MIÖG 76 (1968) 302 n. 18, 304. 9) Vgl. Ferdinand S e i b t im Handbuch der Geschichte der böhm. Länder 1, 375—378. Eine gute Übersicht der wichtigsten Literatur bietet Bruno Geb­hardt — Herbert Grundmann im Handbuch der deutschen Geschichte 1° (Stuttgart 1970) 534—535. Zur Rolle Karls IV. als Vertreter Johanns von Böh­men in der letzten Etappe der luxemburgischen Signorie neuerdings Jirí Spévácek Meránské úmluvy z r. 1333 a jejich pfedpoklady [Die Meraner Vereinbarungen aus dem Jahre 1333 und deren Voraussetzungen] in Cs. casopis historicky 16 (1968) 153—176 (mit deutschem Resümee).

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