Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

164 Erich Zöllner kann nochmals auf die Bilder Luthers und Melanchthons im Album Hans Jakobs von Steinach verwiesen werden 53) und auf das dickliche Gesicht des Stammbuchbesitzers im Album David Steudlins — in diesem Fall hat der Illustrator dem Konterfeiten keineswegs geschmeichelt54). Einen schier unerschöpflichen Stoff für die Albenillustration bot schließlich (neben der Bibel) die antike Geschichte und Sage für Dar­stellungen reichbewegten Inhalts; als Beispiele seien etwa die Bilder der Flucht des Aeneas mit seinem Vater Anchises aus dem brennenden Troja oder der Befreiung Andromedas durch Perseus im Stammbuch des fürsterzbischöflich salzburgischen Rates Hans Ludwig Riz angeführt55). Im Stammbuch des älteren Emeram Riz aber marschieren nacheinander Kyrus, Holofernes, Judith, Alexander der Große, Darius, Xerxes, Arta­xerxes, Tarquinius, Mithradates und viele andere prominente Persön­lichkeiten der orientalischen, antiken und biblischen Geschichte auf 56). Geistesgeschichtlich wohl bedeutsamer als die bisher genannten Illu­strationsarten sind Bilder allegorisch-emblematischen Charakters mit den dazugehörigen Texten. Die Emblematik (Sinnbildkunst), die — unter anderem — in Bildern und Sentenzen in Stammbüchern des konfessionel­len Zeitalters ihren Ausdruck findet, wirkte damals auf die Geister zweifel­los befruchtend, phantasieanregend und wohl auch verwirrend. Gute Ge­danken, aber auch manieristisch und wunderlich anmutende Elemente gingen aus der Emblemliteratur in die Stammbücher über; nicht nur dann, wenn ein Emblemwerk als Staffage für die zwischen seinen Blät­tern eingebundenen Stammbuchseiten diente. Dabei sei erwähnt, daß ein humanistischer Gelehrter hohen Ranges, dessen Wirken durch viele Jahre mit Wien verknüpft war, ein mit Holzschnitten illustriertes bedeutendes Emblemwerk schuf. Es handelt sich um Johannes Sambucus und dessen 1564 bei Plantin in Antwerpen erstmalig aufgelegtes Emblembuch Emble­mata cum aliquot nummis antiqui operis ... edita, das Kaiser Maxi­milian II. gewidmet war 57). Der Forscher bedarf einer gewissen Kenntnis der schwer überblick­baren Sinnbildkunst und Sinnbildliteratur der früheren Neuzeit, wenn er 53) Vgl. oben Anm. 32. 54) vgi. hiezu Loesche in Mitteilungen des Vereins f. Geschichte d. Stadt Wien 4 (1923) 36. 65) Österr. Museum für Angewandte Kunst, Sign. Q I 2 (1606—1633) fol. 225, 75. 56) Ebenda Sign. Q I 8 (1585—1586) fol. 6, 8, 11, 13, 23, 25, 26, 28, 37 etc. Einige Blätter, die offensichtlich Abbildungen trugen, fehlen. Biblische Szenen enthält das Album Steudlins (vgl. oben Anm. 30) fol. 25, 26, 27, 66, 126v, 132, 139. 57) Die 1. Auflage enthielt 166, die 2. von 1566 dagegen 222 Embleme. Vgl. hiezu Arthur Rümann Embleme-Bücher des 16. und 17. Jahrhunderts in Philobiblon 9 (1936) 167 f. Vgl. auch das unten Anm. 58 angeführte Werk von Henkel-Schöne Emblemata LXIV.

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