Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle
Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters 161 überwiegende Wappenschmuck anzuführen. Es gibt zahlreiche Beispiele heraldisch bemerkenswerter österreichischer Stammbücher der hier behandelten Epoche 42 43). Mit der Eintragung ins Stammbuch erfolgte in der Regel wohl eine Geldzahlung an den Besitzer des Albums (oder allenfalls direkt an den Wappenmaler), die zur Finanzierung der Wappenillustration bestimmt war 4S). Einzelne Eintragungen bezeugen ausdrücklich, daß nicht der Albenbesitzer, sondern dessen Freund, von dem die Eintragung stammte, für die Zeichnung und Kolorierung seines Wappens Sorge zu tragen — also zu zahlen — hatte44). Man erwartete eine sorgfältige Arbeit. Es handelt sich zumeist um das im Sinne der Kanzleiheraldik „vollständige“ Wappen mit Schild, Nebenstücken (Helmen mit Helmzier und Helmdecken, Hüten) und Prachtstücken (Schildhaltern, Devisenbändern, Fahnen). Der Wappenmaler verewigte sich mitunter mit seinen Initialen. Hier ist jedenfalls noch Identifizierungsarbeit zu leisten 45). Daß der Eintragende oder der Besitzer des Stammbuches selbst die Wappen zeichneten, darf als Ausnahme gelten; vermutlich erklären sich so einige weniger gut geratene Illustrationen. Unter Umständen konnte eine vorgesehene Wappenillustration aus irgendwelchen Gründen ausbleiben; davon zeugen nicht selten zwischen Devise und Widmung für das Wappen freigebliebene Blattflächen46). Das, wie schon erwähnt, gelegentlich auf 42) Zu nennen wären etwa das Album des Bürgermeisters Thaw (vgl. oben Anm. 16, 20), dann, allerdings mehr der Anzahl als der Qualität der Wappen nach, das Album Franz Christoph von Teuffenbachs (vgl. oben Anm. 21). Heraldisch interessant sind ferner die Stammbücher des kaiserlichen Armeequartiermeisters Philipp Jakob Damon (auch Damäng, Dämang etc.): Wiener Stadtarchiv Hs. 413 (1618—1621), des Wiener Studenten Wolfgang Sinnich: CVP 12.888 (um 1600), der niederösterreichischen Landedelleute Georg Wilhelm Baron Hofkirchen: CVP 9689 (1571—1576) und Sebastian von Greiß zu Wald: CVP 9693 (1580—1590), des Salzburger Beamten Emeran Riz: Österr. Museum für Angewandte Kunst, Sign. Q I 8 (1585—1586). Im übrigen enthält ein Großteil der Stammbücher der Epoche eine kleinere oder größere Anzahl von Wappenzeichnungen. 43) Rosenheim Album Amicorum 260. 44) Vgl. die Bemerkung von Adam von Herberstorff in seiner Widmung im Stammbuch von Franz Christoph von Teuffenbach fol. 45. „Haec in perpetuam sui memoriam scripsit pungique curavit ...“, oder aber den Vermerk von Zacharias Starzer im Stammbuch von Philipp Jakob Damon (vgl. oben Anm. 42) fol. 63 unter seinem Wappen: „In amore singulari testimonium fieri fecit“. 45) Rosenheim Album Amicorum 259. Im Album des Abtes Johannes Bimmel von Lambach brachte der Maler Abraham Herz aus Wels nicht nur sein eigenes, sondern offenbar auch andere Wappen zur Darstellung. Vgl. hiezu Kurt Holter Beiträge zur Geschichte der Stiftsbibliothek Lambach 4: Ein Stammbuch des Abtes Johannes Bimmel in 15. Jahrbuch des Welser Musealvereins (1968/1969) 114 ff, insbes. 115 f. Vgl. ebenda auch die Abbildungen 11—15. 46) Vgl. etwa im Album von Johann Luzenperger aus Günzburg (Markgrafschaft Burgau, Österreichisch-Schwaben): CVP 12.871 fol. 66 die EintraMitteilungen, Band 25 11