Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters 157 niederösterreichischen Aristokraten Johann Friedrich Grafen Breuner27 *) oder auf die griechische Sentenz des Hugo Grotius im Stammbuch des steirischen Freiherrn Otto Heinrich von Herberstein2S) hingewiesen werden. Die schriftlichen Eintragungen gliederten sich in der Regel in zwei Textgruppen; in einen Sinnspruch — in Verbindung mit einem Bild, namentlich einem Wappen, in der Fachsprache zumeist als Devise, ohne Bild heute als Motto, früher eher als Symbolum bezeichnet —, und zwei­tens in eine Widmung (Dedikation). Die Widmung enthielt den Namen des Eintragenden, sowie die für das Itinerar des Albenbesitzers wichtige Datierung nach Ort und Zeit, oft verbunden mit einer geeigneten Wen­dung persönlich-verbindlicher Art, die die Hochschätzung für den Be­sitzer des Albums bezeugen sollte. Die persönliche Note der Widmung ist im konfessionellen Zeitalter allerdings weniger ausgeprägt als im empfindsameren 18. Jahrhundert. Die Devise (das Motto), zuweilen mit dem Wappenspruch der Familie des Eintragenden oder einem persönlichen Wahlspruch identisch, ist zu­meist recht kurz gefaßt; ausführlichere Sentenzen haben einen etwas anderen Charakter; sie finden sich eher im Gelehrten- und Studenten­stammbuch 29). Originelle Prägungen sind da wie dort in der Minder­zahl, meist handelt es sich um sprichwörtliche Redensarten verschiedener Provenienz, Bibelsprüche und Zitate aus antiken und zeitgenössischen Autoren. Natürlich konnte im Sinnspruch auf Ereignisse oder Probleme, die den Albenbesitzer und seinen Freund betrafen, hingewiesen werden; in manchen Fällen ist die Anspielung deutlich, in anderen bleibt sie uns heute verborgen. Das Stammbuch ist eben eine Quelle persönlichen, in­timen Charakters. Es war gewiß unvermeidlich, daß in einer Zeit, in der die konfessionelle Auseinandersetzung sowohl als Geisteskampf wie im politischen Bereich ein dominantes Phänomen darstellte, dieses auch im Stammbuch seinen Niederschlag fand. Das Thema wird aber in den Alben nicht bevorzugt, selbst nicht in Stammbüchern von Prädikanten30). In manchen Philo­27) CVP 12.903 fol. 3. Text und Facsimile bei M a z a 1 Stammbücher 61 Tafel 11. Die Zeichnung stellt wohl keinen Berg, sondern einen Kegelschnitt (in diesem Falle eine Parabel) dar. Dem Verhältnis der Kurve zur Asymptote ist Galileis Motto „Accedens non conveniam“ entnommen. Vgl. Keil Deut­sche Stammbücher 107 n. 361. 2S) Brit. Mus. Egerton-Ms. 1239 fol. 18. Transkription bei Erich Zöllner Aus dem Stammbuch des Freiherrn Otto Heinrich von Herberstein in MIÖG 63 (1955) 364. 29) Einige Beispiele bei Keil Deutsche Stammbücher 53 ff, insbes. 72 ff. 30) Vgl. etwa Georg Loesche Zwei Wiener evangelische Stammbücher. Ein Kulturbild aus dem Dreißigjährigen Kriege in Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Stadt Wien 4 (1923) 28 ff; S. 37 heißt es hier über das

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