Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky
WIESFLECKER, Hermann: Das älteste russische Originaldokument in Österreich?
150 Hermann Wiesflecker beschworen und eine neue Gesandtschaft nach Moskau in Aussicht genommen. Damit aber sind die Grenzen unseres Themas erreicht, ja überschritten, das nichts anderes versuchen möchte, als ein bisher unbeachtetes Dokument etwas mehr ins Licht zu rücken. Ist doch dieser bescheidene Kredenzbrief das einzige originale Überbleibsel der Verhandlungen des Moskauer Vertrages vom 16. August 1490, der in seiner äußeren Gestalt dem prächtigen Original des Moskauer Vertrages von 1514 zwischen Vasilij III. und Kaiser Maximilian I. 37) ähnlich gewesen sein dürfte, den man bisher als die älteste russische Urkunde in österreichischen Archiven anzusehen gewöhnt war. Beilage 1490 August 16 Moskau Ivan III. beglaubigt seine bevollmächtigten Gesandten Jurij Trachaniot und Vasilij bei König Maximilian. Orig., Papier (30 b : 21 h), russisches Kredenzschreiben, Spuren eines abge- fallenen Verschlußsiegels: Innsbruck LR A Maximiliana XIV/1490 fol. 50. Gleichz. Dorsalvermerk Der Rewssen Credentz an Kais. Maj(estät) 1493 (!); daneben späterer Vermerk Russische Credenz (A). Register eintragung im Moskauer Staatsarchiv; vgl. dazu Übersber- g er Einleitung VIII (R). E d. (Denkmäler) 1/1, 35 (aus R). Naiásnéisemu, i velicaisemu, vsedrüzavnómu, Maksim'íánu kralju rim’skómu, príatelevi nasemu vüzljublenómu. loan, B[o]zieju m[i]l[o]stiju, gospod[a]ri vseá Rusii, Volod[i]meriskii, i Moskovskii i Novgorodskii, i Pskovskii i Tferskii, i Jugorskii, i Vjatskii, i Permi- skii i Bolgarskii, i inych. Naiasneisemu, velicaisemu prijätelevi n[a]semu vüzljublen’nomu; poslali esmja do Vasié svétlosti, nasich poslov, Jurija Trachaniota, da Vasilija, vérnych nasich, s nasimi récmi, i cto budut ot nas vaséi m[i]l[o]sti govoriti, i vasa by m[i]l[o]stí im vérilü, tö es[t] nasi istin’nye réci. Napisan[o], na Móskvé, ot sozdanija miru, vu 1 [é]té 6998, m[ésja]ca avgusta 16. (Dem erlauchtesten und erhabensten, dem allermächtigsten Römischen König Maximilian, unserem lieben Freund. Wir, Ivan, von Gottes Gnaden, Herr über ganz Rußland, von Vladimir, Moskau, Novgorod, Pskov, Tver, Jugra, Vjatka, Perin, Bolgarii und anderen [Gebieten] an den erlauchtesten und erhabensten, unseren lieben Freund. Wir haben zu Eurer Durchlaucht unsere Gesandten Jurij Trachaniot und Vasilij, unsere Getreuen mit unseren Worten entsandt, und was sie in unserem Namen Eurer Gnaden Vorbringen werden, dem möge Eure Gnaden Glauben schenken, denn dies sind unsere selbsteigenen Worte. Geschrieben zu Moskau, im Jahre 6998 seit der Erschaffung der Welt, am 16. des Monats August). 37) Santifaller Tafel 34; Transskription 53 ff.