Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 25. (1972) - Festschrift für Hanns Leo Mikoletzky

ZÖLLNER, Erich: Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle

Das österreichische Stammbuch des konfessionellen Zeitalters und seine Bedeutung als Geschichtsquelle Von Erich Zöllner (Wien) Noch vor Mitte des sechzehnten Jahrhunderts sind die Anfänge der Führung von Stammbüchern im deutschen Sprachgebiet anzusetzen — soferne wir den Begriff und das Wort „Stammbuch“ für jenes Album (Album Amicorum, Philothek, auch „Gesellenbuch“) gebrauchen, in dem Freunde und Bekannte des Besitzers ihre Sentenzen und Widmungen eintrugen und oft auch Illustrationen verschiedener Art untergebracht wurden. Das Wort „Stammbuch“ (früher „Stammenbuch“) ist wohl älter; allein es bezeichnet im Mittelalter etwas anderes: eine genealogische, familien­geschichtliche Aufzeichnung '). Gewiß ist der Zusammenhang der Namen­gebung nicht zufällig; auch die späteren Philotheken enthalten genealo­gische Elemente. Andere Vorläufer, von denen das Stammbuch manches übernommen hat, waren heraldisch geschmückte Codices von der Art des Bruderschaftsbuches von St. Christoph auf dem Arlberg, um ein berühmtes Beispiel dieser Gattung aus dem österreichischen Raum zu er­wähnen * 2). Die Abkunft des Stammbuches von diesen Vorfahren ist in­dessen noch nicht recht geklärt. Man sollte das „Album Amicorum“, das anderen Zwecken zu dienen hatte, mit ihnen nicht identifizieren, aber doch auch die Zusammenhänge berücksichtigen 3). In der Regel werden die Anfänge der Stammbuchsitte in jenem engeren Sinne, von dem hier die Rede ist, im vierten oder fünften Jahr­zehnt des 16. Jahrhunderts angesetzt. Indessen wäre auf ein jedenfalls älteres Stück unter den „obderennsischen Stammbüchern“ im oberöster­1) Zum Wort Stammbuch vgl. Jacob und Wilhelm Grimm Deutsches Wörterbuch 10/11 Teil 1 (Leipzig 1919) col 646 f. 2) Vgl. Egon Frh. v. B e r c h e m, Donald Lindsay Galbreath und Otto Hupp Die Wappenbücher des deutschen Mittelalters in Beiträge zur Ge­schichte der Heraldik 3 (1939) 21 ff. 3) Robert und Richard Keil Die Deutschen Stammbücher des 16. bis 19. Jahrhunderts (Berlin 1893) verweisen 3 ff auf die Zusammenhänge, ver­zichten aber auf eine ausgesprochene Identifizierung. Gegen eine solche ent­schieden Max Rosenheim The Album Amicorum in Archaeologia 62/1 (1910) 253.

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