Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg
532 Literaturberichte päische Geschichte zum Zug. In ähnlicher Weise aber bieten drei weitere Aufsätze des zweiten Teiles des Bandes den historischen Hintergrund für die Kunstschöpfungen einer bestimmten Epoche in Österreich: „Die österreichischen Länder im Hochmittelalter“ (Krems 1964), „Gotik in Österreich“ (Krems 1967), „Gotik in Nieder Österreich“ (Krems 1959). Ein in diesem letzten Aufsatz berührtes Thema, die einzelnen Stände als Kulturträger im Lande, wurde später, 1963, in der umfangreicheren Studie „Wissenschaft und Bildung in Niederösterreich“ weiterentwickelt. Überdies zieht der Autor hier die Bibliothekskataloge heran, um den Stand der einzelnen Wissenschaften in Niederösterreich im Spätmittelalter zu konstatieren, ein Beginnen, das bei der Fülle einzuordnender und zu qualifizierender Namen eine nicht zu unterschätzende Leistung war, wobei nun das Material für unzählige Einzeluntersuchungen gesammelt vorliegt. Der Teil über das Land Österreich wird aber, der zeitlichen Folge entsprechend, durch den bekannten Vortrag über „Ostarrichi“ (1946) eingeleitet, der sich kurz nach dem Wiedererstehen Österreichs mit dessen mittelalterlichen Namen befaßt. Zehn Jahre später erschien hiezu auf Grund der Entdeckung des zweifachen Sinnes der Bezeichnung „Das Haus Österreich“ eine Ergänzung. Dieser zweite Teil enthält jedoch auch wieder zwei bisher unveröffentlichte Vorträge, die nicht ohne Bedeutung sind. In dem einen, „Epilegomena zu den österreichischen Freiheitsbriefen“ (1958), im Anschluß an die Veröffentlichung über das Privilegium maius gehalten, erklärt L. noch eingehender als dort die Tatsache der „Fiktion“ bei mittelalterlichen Fälschungen. Der Vortrag über den „Österreichischen Staatsgedanken“ (1962) der diesen Band abschließt, offenbart am stärksten L.s eigenes Denken über Österreich und weist auf eine neue Betrachtungsweise hin, die es, wie er meint, ermöglichen könnte, „immanente Entwicklungskeime in bestimmter Richtung“ — wie sie für die Philologie zu gelten scheinen — auch für die Geschichte zu entdecken, etwa im Sinne eines Gerichtetseins der im Spätmittelalter zusammengewachsenen österreichischen Länder zueinander. In seiner Fülle nicht nur an positivem Wissen, sondern auch an angeschnittenen Fragen, an aufgeworfenen Gedanken ist dieses Buch außerordentlich anregend. Es ist der lebendigste Beweis für die Gültigkeit L.s eigener Forderung, „daß Wissenschaft niemals rasten, daß man sich mit einem Resultat, wie einleuchtend es auch sei, nicht schon zufrieden geben dürfe ... Der Wert jeder Untersuchung liegt ja darin, daß man neuer Probleme ansichtig werde“ (S. 280). Darin tat L. der Wissenschaft wahrhaftig einen großen Dienst. Aber auch das Wort: „Unerschöpflichkeit ist das Merkmal der Größe eines literarischen Lebenswerkes“ (S. 49) könnte auf L.s Werk Anwendung finden. Anna C o r e t h (Wien) Handbuch der historischen Stätten Österreich. Band 1: Donauländer und Burgenland. Hg. von Karl L e c h n e r. Alfred Kroner Verlag, Stuttgart 1970. XXIV, 909 S., 4 Karten und 15 Stadtpläne. Es ist schwer, ein Werk anzuzeigen, das schon in vielen Bänden für ein großes Nachbarland seine Feuerprobe bestanden hat. Anordnung,