Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 531 die anläßlich seines 800. Todesjahres 1958 entstanden. Auf Grund der zeit­lichen Streuung der vorhandenen Abschriften seines Hauptwerkes unter­sucht L. das „Nachleben Ottos von Freising“ und kommt zu Ergebnissen, die aus der jeweiligen geistigen Situation der sich ablösenden Zeitepo­chen gedeutet werden und gleichzeitig auf diese ein Licht werfen. Unter dem Titel „Die Historiographie Ottos von Freising“ wird das Problem der so verschiedenen Grundrichtung der beiden Werke Ottos in Angriff ge­nommen, wobei herausgearbeitet wird, daß es sich bei den Gesta Friderici Imperatoris um eine gänzlich anders zu bewertende Literaturgattung handelt als bei der Chronik, um eine Oratio, eine Lobrede, die anderen Gesetzen unterlag. Hiebei kommt der Autor auf das Begriffspaar „Fuga und Electio“ zu sprechen, deren Sinngebung er im Fragment zu einem eigenen Vortrag untersucht. In dem Vortrag über die Weltanschauung Ottos betrachtet er die Einstellung zum Bösen in der Welt und die spezi­fische Bedeutung der „duae civitates“ bei Otto. Er spricht seine Vermutung aus, daß Tizians geheimnisvolles Gemälde „La Gloria“ indirekt durch die grandiose eschatologische Vision Ottos von Freising inspiriert gewesen sei. „Dantes Staatslehre und Geschichtsbetrachtung“, schon 1933 vorgetra­gen, steht im Zusammenhang mit dem etliche Jahre vorher gearbeiteten Kommentar zu Dantes Monarchia (1921—23). Auf diese Schaffensperiode schon geht das Interesse für die rechtlich-philosophisch-politischen Be­griffe der Monarchia, des Imperiums, des Regnum Romanum, jedoch nicht aus national-deutscher Sicht, zurück. Bezüglich der Beziehung Dantes zu den Häresien der Zeit ist die Forschung bisher weiter fortgeschritten, die Antwort auf die Frage der Entstehungszeit des Traktates ist jedoch nicht überholt. Mit wahrer Spannung liest man den hier erstmals gedruckten Vortrag über „Johann von Viktring“ (1960), in dem über die Entdeckung der Cronica Romanorum dieses Autors und über komplizierte Editionsprobleme und deren Lösung berichtet wird, die L.s einzigartiger Kenntnis der mittelalterlichen wie der antiken Literatur, seiner Unermüdlichkeit und seinem Spürsinn zuzuschreiben sind. Oftmals wurde L. vom Philologischen her zu Fragestellungen geführt, so in dem Aufsatz „Zur Frühgeschichte der Wiener Hofbibliothek“, in dem er den Grund für das Zurücktreten des Lateinischen im 13. Jahr­hundert nicht erstlinig im sozialen Wandel, sondern im Ungenügen der lateinischen Sprache selbst gegenüber den Anforderungen des sich ent­wickelnden Rechtswesen sucht. Auch die Beobachtungen über den wech­selnden Vorrang des Lateinischen und der Nationalsprachen im späten Mittelalter, vor allem anhand der dem Autor so vertrauten Handschrif­tensammlung der Nationalbibliothek durchgeführt, sind von allgemeiner Geltung. Den Teil über das europäische Mittelalter schließt die interessante Zeitdiagnose unter dem Titel „Die Zeitenwende um das Jahr 1400“ (1962) ab, die dem Katalog der großen Wiener Ausstellung Europäische Kunst um 1400 entnommen ist. Hier kam nach längerer Zeit wieder das infolge seines Lehrauftrages zu kurz gekommene, große Interesse für die euro­34*

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