Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

530 Literaturberichte deren ersten Band er noch publizieren konnte, — auch eine Unzahl kleinerer Arbeiten, die oft an verborgener Stelle veröffentlicht wurden, oder auch Vorträge, die nie in Druck gelangt sind, herangezogen werden. Da es dem Autor nicht mehr vergönnt war, die Ergebnisse vielfältiger Untersuchungen, Entdeckungen und neuer Einsichten in größerem Zusam­menhang zu gestalten, ist es höchst verdienstvoll, diese verstreuten kleinen Kostbarkeiten zu sammeln, — wobei die Witwe und jahrelange Mitarbeiterin L.s ihre stille Hilfe bot. Ja, in mancher Hinsicht ist gerade diese Sammlung besonders reizvoll, weil der Autor bei einigen dieser Studien dem Leser einen ganz lebendigen Einblick in seine Forschungs­tätigkeit gewährt und weil er in den Vorträgen mehr noch als in den Büchern die Eigenart seiner Persönlichkeit durchleuchten ließ. Gerade bei diesen Einzelstudien ist es erstaunlich, wie die Frage nach dem Detail und deren Lösung sofort neue Perspektiven eröffnet und überraschende Folgerungen aus der — ich möchte sagen — intimen Kenntnis der histo­rischen Umwelt des Mittelalters heraus zeitigt. Die vorgesehene Publikation, deren erster Band hier vorliegt, ist für vier Bände programmiert. Hans Wagner, L.s Schüler und jüngerer Freund, leitet die Sammlung durch eine hervorragende Übersicht über dessen Schaffen ein, wobei er die Absicht kundtut, jeweils die großen — zum Teil leider ungedruckt gebliebenen — Werke hier durch kleine, demselben Interessengebiet zugehörige Arbeiten vertreten zu lassen, wie z. B. die Frühwerke aus dem Gebiet der mittelalterlichen Literatur Italiens durch den Vortrag über Dante. Wagner schuf auch die Gruppierung unter acht Themen, wobei den Themen des 1. Bandes „Europäisches Mittelalter“ und „Das Land Österreichs“ als weitere folgen sollen: „Das Haus Habsburg“, „Historiographie“, „Quellenkunde“, „Wissenschaftsgeschichte“, „Die Haupt- und Residenzstadt Wien“ und „Der österreichische Mensch“. Diese Einteilung ist gewiß gut und gibt Anhaltspunkte, doch konnte sie, wie einleitend bemerkt wird, unmöglich vollkommen durchgeführt werden. Die Themengruppen sind ineinander verknüpft und schon im ersten Band finden sich wichtige Aussagen auch zur Thematik fast aller weiteren Gruppen. Der vorliegende Band enthält 19 Arbeiten und ist dadurch von erhöh­ter Wichtigkeit, daß acht von diesen bisher ungedruckt geblieben waren. Einen großen Vorteil bedeutet es auch, daß die Mehrzahl der gebrachten Ausarbeitungen relativ jung ist, d. h. aus der Schaffensperiode als Wiener Universitätsprofessor stammt, in der L. erst richtig an die Öffentlichkeit getreten ist: 14 Beiträge sind aus den letzten zehn Jahren, drei aus dem ersten Jahrzehnt seiner Lehrtätigkeit, nur einer aus frühe­ren Jahren. Wenn daher grundsätzlich verzichtet wurde, neuere For­schungsergebnisse in dieser Edition zu berücksichtigen, so kann doch ge­sagt werden, daß die Forschung mittlerweile an verschwindend wenigen Punkten über L.s Ergebnisse hinausgeschritten ist. Es handelt sich fast durchwegs um Arbeiten der vollen Reifezeit. Nun zum Einzelnen. Der Abschnitt „Europäisches Mittelalter“, über­raschend schon allein durch sechs unveröffentlichte Beiträge, beginnt mit einem „mächtigen Akkord“ von vier Vorträgen über Otto von Freising,

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