Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 527 erlaubt: Bihl schreibt (S. 119): . das bolschewistische Regime war aber letztlich der Gewinner: der Br ester Vertrag gewährte der bolschewisti­schen Revolution die für sie dringend notwendige Atempause; diese konsolidierende Atempause war eine wichtige Voraussetzung für den Aufstieg des russischen Bolschewismus zur Weltmacht!“ Gemünzt auf die rein außenpolitische Ruhe, die Sowjetrußland nun für einige Zeit genoß, scheint dieser Satz etwas zu vereinfachend; die an mehreren Stellen sehr bald auftretende Gegenrevolution ließ die Bolschewiken nicht eigentlich zum Verschnaufen kommen. Zum Schluß sei auf den dankenswerten Forschungsbericht 1961—1968 (S. 150—154) und die äußerst umfangreiche Literaturangabe im Anhang (S. 155—186), der auch Quellen bietet (S. 131—149), verwiesen; sie führt über das spezielle Thema hinaus und trägt mit voller Absicht den Charak­ter einer Weltkriegsbibiliographie. Bei der Behandlung einzelner Fragen findet man im Text gleichfalls oft eine Fülle einschlägiger Titel im An­merkungsapparat. Und noch einmal muß die Einarbeitung des gedruckten slawischsprachigen Materials erwähnt werden, die maßgeblich zur Rele­vanz dieses Buches beiträgt. Harald G a r d o s (Wien) John S. Conway, Die nationalsozialistische Kirchenpolitik 1933—1945. Ihre Ziele, Widersprüche und Fehlschläge. Christian Kaiser Verlag, München 1969. 383 S. Es ist wohl kein Zufall, daß gerade ausländische Historiker gewichtige Studien zum Thema „Nationalsozialismus und Christentum“ vorgelegt haben — außer dem hier angezeigten Buch wären die Arbeiten von Guenter Lewy über Die katholische Kirche und das Dritte Reich (1965) und von Gordon C. Zahn über Die deutschen Katholiken und Hitlers Kriege (1965) zu nennen. Der Nichtdeutsche hat gegenüber seinem deut­schen Kollegen offenbar einen geistigen Vorsprung. Er geht unbefan­gener an das Thema heran, er scheut sich weniger, auch unbequeme Wahrheiten zu äußern. Die räumliche Distanz erweist sich so als Vorteil. C.s Darstellung zeichnet sich darüber hinaus durch etwas anderes aus. Sie beschäftigt sich mit beiden Kirchen, mit der katholischen und der evangelischen, und gerät so erst gar nicht in den Verdacht einer einsei­tigen Perspektive. Im wesentlichen ist das Buch eine Erweiterung von Friedrich Zipfels Untersuchung über den Kirchenkampf in Deutschland 1933—1945 (1965), da es auch die umfangreichen Bestände des Bundes­archivs in Koblenz und des Instituts für Zeitgeschichte in München be­rücksichtigt. Man kann sagen, daß der Autor, ein in Kanada tätiger Eng­länder, die erste umfassende Arbeit über dieses Thema vorgelegt hat. Das Ziel der NS-Kirchenpolitik, darüber gibt es keinen Zweifel, war die Beseitigung der Kirchen. Schon im April 1933 sagte Hitler im Privat­gespräch: „Mit den Konfessionen, ob nun diese oder jene: das ist alles gleich. Das hat keine Zukunft mehr. Für die Deutschen jedenfalls nicht. Der Faschismus mag in Gottes Namen seinen Frieden mit der Kirche machen. Ich werde das auch tun. Warum nicht? Das wird mich nicht abhal­ten, mit Stumpf und Stiel, mit allen seinen Wurzeln und Fasern das

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