Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg
Rezensionen 525 heit in seiner eigenen Zeit durchlebte, daß diesem noch unterentwickelten Land als künftiger Handels- und Seemacht eine gleichwertige Stellung innerhalb der Weltmächte in Zukunft bevorstand und daß es kraft seiner Möglichkeiten eine politische Allianz mit Frankreich und England anstreben konnte. St.s Analysen der politischen Leitideen Hamiltons und ihrer Abhängigkeit von der westeuropäischen Staatslehre der frühen Neuzeit bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts stellen einen wertvollen Beitrag zur Geschichte der politischen Ideologie des 18. Jahrhunderts dar. Anna Hedwig B e n n a (Wien) Wolfdieter B i h 1, österreich-lfngarn und die Friedensschlüsse von BrestLitovsk. (Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie 8.) Hermann Böhlaus Nachf., Wien—Köln—Graz 1970. 192 S. Das vorliegende Buch beruht auf der Dissertation des Autors aus dem Jahre 1962, der durch etliche einschlägige Aufsätze bereits weitere Einzelergebnisse vermittelte und nunmehr den neuesten Stand der Forschung zu diesem Thema bieten kann. Es handelt sich hier zweifellos nicht um einen Essay, wie er von der Weltkriegshistoriographie oft geboten wird, sondern um ein für den Fachmann unentbehrliches Spezialwerk; reichliche Auswertung der Bestände des Haus-, Hof- und Staatsarchivs, bibliographische Dokumentation und umfangreiches Zahlenmaterial weisen es als wohlfundierte Beantwortung zahlreicher Fragen aus, die von der so umfangreichen Literatur noch immer offengelassen worden waren. Neben rein dokumentarischem Bericht verabsäumt es der Autor nicht, auch persönlich Stellung zu nehmen, wobei die Akzente bei aller wünschenswerten Sachlichkeit auf kritischen Patriotismus und besonders Abneigung gegen die Abhängigkeit Österreich-Ungarns von Deutschland —- eine Tendenz, welcher der Rezensent gewiß nicht fernsteht — gesetzt sind. Das Schwergewicht liegt ja naturgemäß auf Begründung und Realisierung bzw. Scheitern der österreich-ungarischen — und hier wieder der Czernin’sehen — Verhandlungstaktik. Und indem er sich jeglicher polemischen Äußerung enthält, weist B. stets auf die deutsche Präponderanz in Brest-Litovsk hin, ohne allerdings auf den von österreichischer Seite immer wieder auftauchenden Separatfriedensgedanken zu vergessen. Die Schwierigkeiten der österreich-ungarischen Position werden von jedem Blickwinkel aus beleuchtet, ihr zentrales Problem während der Brester Verhandlungen, eben das Verhältnis zum mächtigeren Bündnispartner, möglichst scharf Umrissen. In diesem Zusammenhang geht der Autor mit dem Hinweis, daß sie 1961 noch nicht publiziert gewesen seien, zu Beginn seiner Arbeit auch detailliert auf österreichisch-französische Friedensgespräche im Jahre 1917 ein (S. 14 ff). Dieses Herausstreichen der Kontakte mit den Westmächten soll vor allem aufzeigen, was im Schlußwort deutlich ausgesprochen wird (S. 129 f): Die österreich-ungarische Delegation ging mit der erklärten Absicht, damit einen allgemeinen Frieden anzubahnen, nach Brest. Vielleicht hätte man daneben und neben der ausführlichen Darstellung der Kriegszielpolitik in Polen auch die Kriegsziele der Donaumonarchie am Balkan, die doch gewiß in Konnex mit dem russischen Frieden stan