Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 523 zur Verfügung. Einsicht in die vermutlich wichtigeren, im Archiv der Times deponierten Dokumente wurde ihm versagt. Unnötig zu sagen, daß hierin den Vf. keinerlei Schuld trifft. Hingegen ist es schwer zu verste­hen, warum Sch. nicht die im Haus-, Hof- und Staatsarchiv liegenden Nachlässe Aerenthal, Friedjung und zum Teil auch den des Thronfolgers Erzherzog Franz Ferdinand benützt hat. Namentlich die Durcharbeit des Aerenthal’schen Nachlasses wäre für seine Arbeit von hohem Nutzen ge­wesen. Mehrfach werden Sekundärdarstellungen, vor allem die gewiß wertvolle österreichische Geschichte von Hantsch, zitiert, wo sich der Ver­fasser unmittelbaren Zugang zu den Quellen hätte verschaffen können. Doch das Bessere soll nicht des Guten Feind sein oder, anders ausgedrückt, der Wert dieser überaus gründlichen, vorurteilslosen, kritisch durchgear­beiteten und immer interessanten Studie ist in hohem Maße anzuerken­nen. Robert A. K a n n (Princeton, N J.) Gerald S t o u r z h, Alexander Hamilton and the idea of Republican Govern­ment. Stanford University Press, Stanford California 1970. VIII, 278 S. Als Frucht langjähriger Beschäftigung mit Alexander Hamilton zur Zeit eines wissenschaftlichen Aufenthaltes St.s in den USA erschien einige Jahre später die vorliegende Arbeit über Hamiltons Ideen zu einer republikanischen Regierungsform. Eine andere Arbeit des Vf.s beschäftigte sich mit der Lehre Montesquieus von der „vertu“ und den Anfängen der USA'). Die Republik war als Regierungsform in den frühen Jahrhun­derten der Neuzeit in Europa sehr wenig vertreten. Sie spielte aber auch in der politischen Ideologie dieser Zeit keine große Rolle. Erst Ende des 18. Jahrhunderts wirkte das Prinzip der Volkssouveränität in Europa als eine Art Sprengstoff, der jahrhundertealte Monarchien zum Einsturz brachte. Gleichzeitig mit den Vorgängen in Frankreich, die nicht ohne Rückwirkungen auf die Nachwelt blieben und zum Modell für die zahl­reichen Revolutionen des 19. Jahrhunderts wurden, formierten sich die Vereinigten Staaten. Am Aufbau dieses neuen Staates hatte eine Reihe von Politikern, darunter auch der Advokat Alexander Hamilton (1757— 1804), Adjutant und Sekretär George Washingtons, Anteil. Hamilton gilt als einer der bedeutendsten Staatsmänner der USA und als Stammvater der heutigen Republikanischen Partei. Seine politischen Ideen und sein Anteil an der Nationswerdung der USA waren bereits Gegenstand von Spezialuntersuchungen* 2). St. dagegen ging es um Herausarbeitung der politischen Leitideen Hamiltons, seiner Auseinandersetzung mit der zeit­genössischen Staatslehre, seiner Abhängigkeit von den politischen Ansich­ten der Renaissance und den englischen Staatsrechtslehrern des 18. Jahr­hunderts sowie seiner Auseinandersetzung mit verschiedenen Möglich­1) Vgl. Gerald Stourzh Die tugendhafte Republik. Montesquieu’s Begriff der vertu und die Anfänge der Vereinigten Staaten von Amerika in Öster­reich und Europa. Festgabe für Hugo Hantsch (Wien 1965) 247—267. 2) Vgl. Alexander Bein Die Staatsidee Alexander Hamiltons in ihrer Ent­stehung und Entwicklung (München 1927); Richard B. Morris Alexander Ha­milton and the founding of the nation (New York 1957).

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