Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

Rezensionen 519 Steuer der Wahrheit mag hier das Schreiben Benedikts XIV. vom 17. September 1748 an den spanischen Generalinquisitor angeführt werden, in dem der Papst auf dessen Vorhaltungen zugibt, daß mehrere Werke Muratoris die kirchliche Zensur verdient hätten. Als dieser vom Inhalt des päpstlichen Schreibens Kenntnis erhalten und deshalb in einem per­sönlichen Schreiben den Hl. Vater gebeten hatte, ihm die Gründe für eine solche Beurteilung seiner Bücher mitzuteilen, erklärte Benedikt XIV. in seinem Schreiben vom 25. November d. J. an Muratori, daß er den Gene­ralinquisitor zur Geduld habe mahnen wollen, die man für einen alten und um die Kirche so verdienten Gelehrten aufbringen müsse, auch wenn sich in seinen Schriften manches finde, für das man eine exaktere Darstellung gewünscht hätte. Dann fügte er aber auch noch hinzu, daß man allerdings sein Werk über die weltliche Gewalt, die der Papst in seinen Staaten ausüben könne, auf den Index der verbotenen Bücher hätte setzen können, wenn diese Abhandlung ein anderer geschrieben hätte. Er gab aber loyalerweise zu, daß es sich allerdings um eine Materie handle, die weder das Dogma noch die kirchliche Disziplin betreffe. Ferdinand M a a ß (Innsbruck) Waltraud H e i n d 1, Graf Buol-Schauenstein in St. Petersburg und London (1848—1852). Zur Genesis des Antagonismus zwischen Österreich und Ruß­land. (Studien zur Geschichte der österreichisch-ungarischen Monarchie 9.) Hermann Böhlaus Nachf., Wien—Köln—Graz 1970. 155 S. Im Jänner 1913 stellte der österreichisch-ungarische Botschafter in Rom, Mérey, in einem Brief an seinen Vater fest, daß die seit fünfzig Jahren schwerste Krise in einem Moment eintrete, „... wo wir den schwächsten Minister des Äußern seit Buol haben.“ Ähnlich ungünstig lautete auch das Urteil Heinrich Friedjungs, das mit wenigen Ausnahmen für die österreichische Geschichtsschreibung bestimmend wurde. Wie wenig zutreffend jedoch diese Charakteristik ist, zeigt die vorliegende Arbeit mit aller Deutlichkeit. Bisher blieb Buols Tätigkeit an den Höfen von St. Petersburg und London weitgehend unberücksichtigt, und es gelingt der Vfn. nun zu zeigen, wie entscheidend sich die an diesen Zentren gewonnenen Erfahrungen auf seine spätere Außenpolitik auswirkten und daß er den Bruch mit Rußland weder aus eigenem Antrieb noch leicht­fertig provozierte. Schon kurz nach seiner Ankunft in Petersburg sah sich Buol mit der Frage des Eingreifens der russischen Streitkräfte in die Revolution in Ungarn konfrontiert, das durchaus nicht aus uneigennützigen Motiven erfolgte. Nikolaus I. als Verteidiger des Konservativismus benötigte Öster­reich als Bollwerk gegen die demokratischen Bewegungen in Westeuropa, deshalb bot er diesem Staat moralische, diplomatische und bewaffnete Unterstützung in Italien, in den deutschen Angelegenheiten und in Un­garn an. Zweifellos erkannte Buol nicht nur diese Ziele Rußlands, sondern er sah schon seit seiner Mission am Zarenhofe den künftigen Konflikt zwischen Wien und St. Petersburg auf dem Balkan voraus. Nimmt man noch den Glauben des österreichischen Außenministers an die Notwen­digkeit der Erhaltung des status quo in Europa, sein Wissen um die

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