Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg
512 Literaturberichte auch wegen der Stoffülle bei der vergleichenden Interpretation der einzelnen Quellenbelege ist ihm die gebührende Beachtung dringend zu wünschen. Als einziges Negativum sind die etwas zu häufigen Druckfehler zu vermerken, auf die z. T. auch unrichtige Angaben zurückgehen (S. 69 Z. 11 etwa müßte es statt „933“ „993“ heißen). Leopold Auer (Wien) Marcel B r i o n, Hie Medici. Eine Florentiner Familie. F. A. Brockhaus, Wiesbaden 1970. 214 S., 157 Abb. Bedenkt man die Besonderheiten, die die Herrschaft der Medici im Vergleich zu anderen europäischen ,Dynastien1 (im weitesten Sinne) kennzeichnen, dann scheint die Zurückhaltung der seriösen Forschung gegenüber dem Gesamtphänomen erstaunlich. An Einzelbiographien, besonders der beiden überragenden Erscheinungen der älteren Linie, wie auch an ausgezeichneten Detailuntersuchungen ist freilich kein Mangel. Schon die Bestimmung und die Analyse von Phasen und Wendepunkten der mediceischen Geschichte wie der Konkordanz von politischen, sozialen, künstlerischen und religiös-philosophischen Prozessen bieten jedoch Schwierigkeiten, die Analogien zu dem gewohnten Schema der italienischen Stadtstaaten als nur bedingt gültig und die Reduzierung auf eine dem Laien verständliche kausale Ereigniskette als aussichtslos erscheinen lassen. Jede Vereinfachung gibt hier ihre Nachbarschaft zur Verfälschung besonders deutlich zu erkennen. Die Familien- und Herrschaftsgeschichte der Medici als Standardwerk harrt weiterhin ihres Autors. Der Vf. des vorliegenden, aus dem Englischen von Helmuth Eggert übersetzten und überarbeiteten Werkes, keineswegs Spezialforscher über florentinische Geschichte, eher vielseitiger Publizist kulturhistorischer Monographien (auch über Lorenzo Medici, Machiavelli und Savonarola), unternimmt hier den Versuch, einen dem Stand der Forschung gerechten Abriß der Geschichte der Medici zu schreiben, ohne in Neuland vorstoßen zu wollen. Durch die Deutung charakteristischer Phänomene aus dem bewegten Zeitgeschehen heraus, — ein Weg, der allerdings manchmal etwas weit vom Thema wegführt, — wird das oft mit Pathos und Farbenpracht rekonstruierte Geschehen auch dem nur wenig informierten Leser eindringlich vor Augen geführt. Das Hauptgewicht legt B. mit Recht auf die Geschichte der äiteren Linie, vor allem deren prominentester Vertreter Cosimo d. A. und Lorenzo. In eigenen Kapiteln werden Humanismus und Renaissance in Florenz in gerafften, doch schwungvoll gezeichneten Bildern vorgeführt, ebenso die Epochen Savonarolas („Die Diktatur Gottes“) und die der Medici auf dem päpstlichen Stuhl. Giovanni delle Bande Nere ist der letzte Medici, dem B. breiteren Raum widmet. Ab Cosimo I., Großherzog von Toskana, erlahmt das Interesse, und es mag scheinen, als habe der Autor die Akzentverschiebung, die von der kulturellen Blüte zum modernen Verfassungsstaat führt, doch nur mit einer (übrigens durchaus verständlichen) Voreingenommenheit akzeptiert. Das Bild, das B. von den älteren Medici entwirft, entspricht in den wesentlichen Zügen konventionellen Anschauungen. Cosimo und Lorenzo sind mäßige und weise Diktatoren, die ihr Herrschaftsbewußtsein zwar