Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg
508 Literatur berichte noch gibt es eine große Zahl von schwerwiegenden historischen Fehlern, die nicht auf die Druckerei zurückgeführt werden können, sondern eindeutig auf das Konto der Vff. zu setzen sind, wobei die Mitarbeiterzahl sehr groß ist. Leider verdunkelt dies alles den guten Gesamteindruck der Idee. Da heißt es z. B. auf S. 77: „Der englische König Richard Löwenherz wurde auf dem Rückweg von Palästina (3. Kreuzzug) von Leopold III. (dem Heiligen) von Österreich, dem Verbündeten des Kaisers, gefangengenommen“. S. 91 wird als Großvater Johann Parricidas Rudolf I. „deutscher Kaiser“ genannt. Ferner S. 122: Maximilian wird hier im Jahre 1486 „in Frankfurt zum deutschen Kaiser gewählt ...“. So etwas dürfte nicht Vorkommen. Daneben existiert noch eine Anzahl von eindeutigen Druckfehlern, die aber nach den oben angeführten Beispielen vielleicht auch auf ungenügende Prüfung der Manuskripte und Druckfahnen durch die Herausgeber zurückzuführen sind (S. 20: Reinhard Wenzkus statt Wenskus u. dgl.). Der Band Neuzeit 1 ist dagegen in der vorliegenden ersten Auflage mit mehr Sorgfalt gearbeitet. Aber auch hier lebt Zwingli von 1484 bis 1591 (S. 36), regiert Maria Theresia auf der anhängenden Herrschertabelle von 1640—1680; ebendort wird Karl VII. zum „Ggks.“, was mit Gegenkaiser aufzulösen und daher falsch ist. Auf S. 33 wird der tschechische Historiker Josef Macek zu Josy Macek. Der Ordinarius für bayrische Landesgeschichte an der Universität München, Karl Bosl, hat zu beiden Bänden ein ermunterndes Vorwort verfaßt; es wäre aber zu raten, sich nicht nur bekannter Persönlichkeiten zu vergewissern, sondern auch präzise Arbeit zu leisten. Die Ausstattung ist gut, bis auf die nicht immer das bezeichnete Gebiet deckenden Farben der Landkarten. Jeder bedruckten Seite gegenüber liegt eine freie, für Eintragungen von Nachträgen und Notizen. Am Schluß eines größeren Abschnittes folgen „Themen und Problemkreise zur eigenen Weiterarbeit“ sowie ein Literaturverzeichnis. Alles in allem eine Arbeit, die sich nach Beseitigung aller Fehler in Zukunft vielleicht sehr positiv entwickeln könnte. Lorenz Mikoletzky (Wien) Herwig Wolfram, Intitulatio. I: Lateinische Königs- und Fürstentitel bis zum Ende des 8. Jahrhunderts. (Mitteilungen des Instituts für österreichische Geschichtsforschung, Ergänzungsband 21.) Hermann Böhlaus Nachf., Graz—Wien—Köln 1967. 271 S. Der Titel des vorliegenden Buches könnte vermuten lassen, es liege eine den Interessen der Diplomatik dienende Arbeit jener Art vor, wie sie in den vergangenen Jahren von den verschiedensten Schulen geboten wurde. Seit wir nämlich wissen, daß Änderungen im Formular im Mittel- alter mit viel mehr Feingefühl und Überlegungen vorgenommen wurden, als die ältere Geschichtsforschung vermutete, hat das Interesse an diesen Details zugenommen. Doch W. geht über diesen Stand unseres Wissens hinaus — und damit ist bereits der erste entscheidende Vorzug der Arbeit offenbar. Er begnügt sich nicht, das Material zu sammeln, zu sichten und zu kritisieren, um anschließend „die historisch-politische Bedeutung