Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Erster Weltkrieg

504 Literaturberichte autorität“ angeklagte und 1820 mit 300 Gulden Pension von seinem Lehr­stuhl entfernte Gelehrte in den folgenden Jahren seine großen Werke dennoch in materiell relativ gesicherten Verhältnissen und in seelischer Geborgenheit schreiben konnte, ist dagegen das Verdienst einer Frau: Anna Hoffmann, mit dem böhmischen Gutsbesitzer Josef Hoffmann ver­ehelicht, hat von 1823 bis zu ihrem Tod 3842 Bolzano betreut, ihn ge­pflegt, ihm vorgelesen, seine Korrespondenz besorgt — kurz, dem zarten, kränkelnden Mann all ihre mütterliche Fürsorge zuteil werden lassen, deren ihr robusterer Mann und ihre Söhne nicht in dem Maß bedurften. Es wäre ihr dies allerdings nicht möglich gewesen, wenn nicht Josef Hoffmann Bolzano in sein Haus aufgenommen hätte und auch seiner­seits dem gelehrten Priester ebenfalls in wirklicher Verehrung zugetan gewesen wäre. Die Korrespondenz Anna Hoffmanns mit den Schülern und Freunden Bolzanos aus den Jahren 1824—1833, in der sie die Gedanken ihres Herrn und Meisters in der ihr eigenen liebenswürdigen Weise formu­liert, wird nun in diesem von Eduard Winter und seiner Frau Maria gemeinsam herausgegebenen Band publiziert. Er ist eine wichtige Er­gänzung des 1965 von E. Winter und W. Zeil veröffentlichten Briefwech­sels zwischen Bolzano und Michael Josef Fesl, der um seines Lehrers willen von Kirche und Staat noch viel härter bestraft worden ist als dieser selbst. Vor allem das Schicksal Fesls kommt auch in den die Atmo­sphäre des Biedermeier ganz dicht vermittelnden Briefen Anna Hoffmanns und in den teils enthusiastischen, teils bedrückten Schreibens Fesls er­schütternd zum Ausdruck. Darüber hinaus ist der Wert dieses für die Geistes- und Theologiegeschichte des österreichischen Vormärz äußerst wichtigen Buches am besten so zu charakterisieren, wie es der Heraus­geber in seiner Einleitung getan hat: „Die Briefe offenbaren die ganze Tragik des reformkatholischen Frühliberalismus und zeigen, in welcher Härte bemerkenswerte Ansätze eines Aggiornamento niedergetreten wur­den. Was in der Seele eines gläubigen katholischen Priesters vorgeht, der, wie M. J. Fesl, wenn auch oft sprunghaft, aber von den besten Absichten beflügelt, von seinen geistlichen Vorgesetzten geistig mißhandelt wird, tritt plastisch hervor. Die Briefe lesen sich nicht selten wie historische Kommentare zu den Reformbeschlüssen des II. Vatikanischen Konzils“. Erika Weinzierl (Salzburg) Die Protokolle des österreichischen Ministerrates 1848—1867. Hg. vom Öster­reichischen Komitee für die Veröffentlichung der Ministerratsprotokolle. Einleitungsband: Ministerrat und Ministerratsprotokolle 1848—1867. Behör­dengeschichtliche und aktenkundliche Analyse von Helmut Rumpler. Mit einem Vorwort von Friedrich Engel-Janosi und Tabellen zur personel­len Struktur des Ministerrates und der Ministerratskanzlei von Waltraud H e i n d 1. österreichischer Bundesverlag für Unterricht, Wissenschaft und Kunst, Wien 1970. 131 S., 11 Abb., 3 Tabellen. — VI. Abt.: Das Ministerium Belcredi. Band 1: 29. Juli 1865—26. März 1866. Bearb. von Horst Brett- ner-Messler. Mit einer Einleitung von Friedrich Engel-Janosi. Red.: Helmut Rumpler. Ebenda 1971. LXXXIV, 351 S.

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