Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
BÁRÁNY, George: Das Credo der Wissenschaft. Unveröffentlichte Gelehrtenbriefe des 20. Jahrhunderts in der Universitätsbibliothek Denver
Das Credo der Wissenschaft 475 Konzeption über Gott und Religion „absolut und ohne Vorbehalt“ als die seine anzuerkennen, betonte, „daß die ganze Unruhe unter den Arbeitern, soziale Unzufriedenheit und allgemeine Rebellion gegen jede Art von Autorität, die so charakteristisch für unser gegenwärtiges Zeitalter ist, ihre letzte Ursache in der systematischen Verbreitung des Atheismus findet, der allgemein so optimistisch und hochtrabend als .Liberalismus1 abgestempelt wird und den viele unserer Intellektuellen, sicher aber die meisten unserer politischen Führer ihren Freunden, Jüngern und Gefolgsleuten predigen“ 23). Vier Universitätspräsidenten stellten die Gültigkeit von Schayers Annahme, daß die meisten Studenten von religösen Impulsen wegtendierten, in Frage und behaupteten, daß der Drang nach Religion, mit den Worten des Präsidenten von Indiana University, „tief und unauslöschbar“ war 23 24). Viele bestätigten in ihrer Antwort an Schayer ihren eigenen Glauben an Gott25); einige wagten sogar, auch im Namen ihrer Fakultätsmitglieder Schayer zu versichern, daß sie alle gute Christen wären26). Manche betonten die Wichtigkeit des Studiums der Bibel27), während andere führende Pädagogen auf die Notwendigkeit der Toleranz verschiedener Religionsbräuche und der Modernisierung unserer Glaubensbegriffe im Lichte des sich ändernden wissenschaftlichen Denkens aufmerksam machten 28). Präsident George Norlin von Colorado University schickte einen einschlägigen Aufsatz und fügte hinzu, daß „es manchmal ziemlich schwierig ist, die religiöse Haltung einer Person gegenüber dem Leben in eine Formel zu prägen, wie umfassend sie auch sein möge“ 29). Unter den zwei Dutzend zum Teil sehr interessanten Antworten, die von amerikanischen Pädagogen stammen, ist die bündige Eleganz des Präsidenten von Stanford, R. L. Wilbur, hervorzuheben. Dieser Medizinwissenschaftler von internationalem Maßstabe, der später Sekretär des Innern in der Hoover Administration wurde, summierte seine Ansichten wie folgt: 23) Penning an Schayer, 1927 September 19. 24) William L. Bryan (Indiana University, 1927 Oktober 4); Frank B. Trotter (West Virginia University, 1927 Oktober 18): C. A. Richmond (Union College, Schenectady, 1927 Oktober 18); Stratton D. Brooks (University of Missouri, 1927 Oktober 24). 25) j. G. Hibben (Princeton University, 1927 Oktober 18); Kerr D. Macmillan (Wells College, New York, 1927 Oktober 19); K. C. M. Sills (Bowdoin College, Maine, 1927 Oktober 25); J. A. C. Chandler (William and Mary, 1927 Dezember 29). 26) D. M. Douglas (University of South Carolina, 1927 Oktober 17); R. M. Hughes (Iowa State College of Agriculture and Mechanic Arts, Ames, Iowa, 1927 Oktober 29). 27) E. F. Pendleton (Wellesley College, Massachusetts, 1927 Oktober 14); H. A. Garfield (Williams College, Massachusetts, 1927 Oktober 24). 28) F. B. Robinson (City College of New York, 1927 November 28); J. H. Penniman (University of Pennsylvania, 1928 Jänner 24). 2») 1927 September 19.