Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
18 Christiane Thomas er beim Zusammentreffen mit dem Ehepaar wenig schmeichelhaft den alten Heinrich als „vir etate confectus ... et forma ineptus“ beschreibt93). Für Katharinas Bild in der Geschichtsschreibung sind zwei Momente bestimmend. Beachtet wurde einerseits, was Aeneas bei den Anekdoten von der Trunksucht Heinrichs 94 95) über die Gräfin vermerkt. Abgesehen von der Nennung ihrer „Nationalität“ ist diese Aussage recht karg; der Autor begnügt sich mit der Formulierung „uxor ... forma praestanti et audacia“ »*). Wiederum ist es nur Hermann, der dies mit „von hoher Gestalt“ übersetzt 96). Ebenso berechtigt ist aber die Wiedergabe „von hervorstechender Schönheit“, der sich die Gesamt heit aller übrigen Historiker angeschlossen hat. Antonini bezeichnet sie als „donna di rara bellezza“97); auch Czoernig und Wiesflecker konzedieren ihr das Prädikat „schön“ 98 * *). Vernachlässigt wurden die schwärmerischen Äußerungen Aeneas’ in seinem Briefwechsel mit Kaspar Schlick. Als er sie Anfang 1444 persönlich kennenlernte, war seine Begeisterung fast grenzenlos: würde Heinrich seine beinahe göttliche Gattin gut behandeln, würde er der glücklichste Mensch sein. Eine schöne und gute Gemahlin zu besitzen, zählt in der Meinung Aeneas’ als größte der menschlichen Glückseligkeiten "). Zweifellos machte die junge Gräfin — vielleicht wirkte hier nicht zuletzt der krasse Gegensatz ihrer Erscheinung zu der ihres alten Mannes mit — einen tiefen Eindruck auf ihren Beobachter. An anderer Stelle wird darauf noch zurückzugreifen sein 10°). Wesentlich mehr als von Aeneas ließ sich aber die Geschichtsforschung andererseits von der Eigenmächtigkeit Katharinas beeinflussen. Daß eine Frau ihres Ranges im 15. Jahrhundert die ihr widerfahrenen finanziellen Versäumnisse ihres Gatten mit Waffengewalt beantwortete, ist bestimmt ein außergewöhnliches Faktum. Hätte sie zu ihrer durch Heinrichs Nachlässigkeit hervorgerufenen materiellen Notlage geschwiegen oder sich mit erfolglosen Klagen an Außenstehende um Hilfe gewandt, wäre sie nur als eine bedauernswerte, von einem rohen Wüstling bedrängte Fürstin geschildert worden. Dieser Tenor wird auch von Hermann angeschlagen, aber nur deshalb, weil er Aeneas’ Übertreibungen über den ständig betrunkenen Heinrich für bare Münze nimmt: Dessen „cinische Lebensweise“ und Härte gegen die Söhne — es wird auf die nächtliche Aufforderung zum Trinken angespielt101 *) — vertreiben die „arg gemißhandelte Katharina“192). Ansonsten trägt Katharinas Initiative, ihre Selbständigkeit, die in den Fünfzigerjahren bis zur zeitweisen Aneignung der Herrschaft führen wird103), und ihr Eigenwille ihr lediglich den Ruf eines machthungrigen ehrgeizigen Charakters ein. Coronini bezieht mit seiner nüchternen Aussage von Katharina als einer „magni spiritus foemina“ noch keine kritisierende Stellung1 °4). Lehnt sich Antonini in seiner Beschreibung der „donna ... di virile animo“ noch an Coronini an105), so werden die nachfol") W o 1 k a n Briefwechsel 257. 94) Siehe oben S. 9. 95) Aeneas In Europam 262. •«) Hermann Handbuch 160. 97) Antonini II Friuli orientale 261. 9S) Czoernig Görz 561; Wiesflecker Entwicklung 359. ") W o 1 k a n Briefwechsel 257. 10°) Siehe unten S. 31 f. 101) Siehe oben S. 9. 192) Hermann Handbuch 161. 103) vgl. hiezu zusammenfassend Wiesflecker Entwicklung 361 ff. 104) Coronini Tentamen 211. 105) Antonini II Friuli orientale 261.