Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
6 Christiane Thomas und negierte, was im vergangenen Jahr geschehen war. Heinrich hatte seine Pläne geändert. Habsburg sah vielleicht in ihm einen Eidbrüchigen, doch fehlte für 1436 die Anerkennung durch das Reichsoberhaupt, die Cilli immer für sich anführen konnte. Aber eine absolute Sicherheit existierte auch für die augenblicklichen Sieger nicht. Es ist nicht ganz verständlich, warum der Kaiser — wiederum 1437 — einen neuen Prätendenten in das Spiel um das Erbe einbezog. Was ist davon zu halten, wenn circa seit Juli ein präsumptiver Schwiegersohn Heinrichs als Erbanwärter auf- tauchte? Was bezweckte Sigmund mit dieser Variante? Durch die Reichsregistereintragung22) für Brunoro della Scala erfahren wir von einer Tochter Heinrichs, Anna, die mit dem Reichsvikar „zu Bern und zu Vincens, Brunorio von der lytter“ verlobt war. Nach der Regelung der Heimsteuer Annas von kaiserlicher Seite folgt die Versicherung einer Anwartschaft auf die Görzer Reichslehen für della Scala. Auffallend ist, daß diese schwerwiegende Ankündigung fast nebenher, als kurzer Schlußabsatz, angefügt wird. Seinerzeit war Katharina, die Tochter Meinhards VII., mit einem Drittel des Erbes in einer Linie mit ihren Stiefbrüdern Heinrich IV. und Johann Meinhard gestanden — nun bestand die Möglichkeit, durch ihre Nichte Anna das ungeteilte Ganze zu vererben. Die Haltung Sigmunds mutet widerspruchsvoll an, und die Cillier hatten (speziell nach dem Tod des Kaisers) mit einem gewichtigen Rivalen zu rechnen 23). Das ernste Spiel um das Görzer Erbe gestaltete sich abwechslungsreich: Auch für Cilli war, wie vordem für Habsburg, kein voller Sieg erkämpft. Aber gefährlicher als die Bedrohung durch den Scala war die Tatsache, daß Heinrich — wahrscheinlich 1438 24) — ein zweites Mal heiratete. Auch wenn dadurch die Abmachungen von 1437 nicht außer Kraft gesetzt wurden, war ihre Verwirklichung doch in weite Ferne gerückt. Es mag für Cilli ein Trost gewesen sein, daß auch der vorgezogene Veronese durch Heinrichs Verehelichung betroffen wurde. Die Geburt zweier Söhne, Johanns und Ludwigs, bis zum überlegenen Eingreifen Ulrichs von Cilli Ende 1443 entwertete dessen Triumph von 143725). Allerdings wird es 22) HHStA Reichsregister L fol. 37 v: Kaiser Sigmund für Brunoro della Scala. Das Schriftstück ist undatiert und steht zwischen den Eintragungen von 1437 Juli 22 und 24. Wiesflecker Entwicklung 358 führt 1437 Juli 31 an; Wilhelm A11 m a n n Die Urkunden Kaiser Sigmunds 2 (Regesta imperii XI, Innsbruck 1897—1900) 416 Nr. 12013, hält dieses Datum für wahrscheinlich. Karl Czoernig Das Land Görz und Gradisca (Görz, Österreichs Nizza 1, Wien 1873) 560. 23) C u s i n Aspirazioni 89 räumt della Scala Chancen ein, da Cillis Position am ungarischen Hof nicht mehr unerschüttert war. 24) Siehe unten S. 19. 25) In diesem verwirrenden Nebeneinander von Erbversprechungen wird der Anspruch Brunoros nicht zählen: „sed dominus Brunorius pie memorie