Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 24. (1971)
THOMAS, Christiane: Kampf um die Weidenburg. Habsburg, Cilli und Görz 1440–1445
Kampf um die Weidenburg 7 sich zeigen, daß er sich den geänderten Gegebenheiten anzupassen wußte, den Terrainverlust wettmachte und darüber hinaus seinen Einfluß festigte, obwohl er nun nicht mehr allein dem alternden Heinrich, sondern auch der um ein wesentliches jüngeren zweiten Frau als handelnder Partei gegenüberstand: Katharina von Görz war für jeden am Görzer Besitz Interessierten ein bestimmender Machtfaktor. Inwieweit ihre eigenständigen Handlungen bereits in den ersten Ehejahren für den Zeitgenossen erkennbar waren, ist nicht zu entscheiden. Die Schwächung der cilli- schen Position konnte Habsburg zugute kommen, und die Maßnahmen Friedrichs IV. ab 1443 beweisen, daß er den Kampf um Görz mit drei Persönlichkeiten von unterschiedlich feindseliger Gesinnung wiederaufgenommen hatte: Graf Heinrich IV., Gräfin Katharina und Graf Ulrich II. von Cilli (bzw. dessen Vater Friedrich II.) bildeten das Spannungsdreieck, das Friedrich IV. zu sprengen versuchte. Ab 1440, dem Antritt seines Königtums, hatte er mit der Lehensbestätigung für Heinrich ein Mittel in der Hand, sich den Görzer gefügig zu machen und den Cillier zu überrunden. Friedrichs Rangerhöhung gab ihm gegenüber dem Reichsfürsten Cilli eindeutig einen Vorteil, den er zu verwenden wußte. Handelte es sich doch für ihn neben der Erwerbung einer Erbschaft auch darum, dem unbequemen Cillier einen Bundesgenossen abspenstig zu machen und auf seine Seite zu bringen 26). Ein potentieller Interessent wurde bisher nicht genannt: Venedig darf für die Geschehnisse der Vierzigerjahre vernachlässigt werden. So sehr die Signorie seit 1420, seit der Übernahme des Patriarchats von Aquileja, bemüht war, die Abhängigkeit des Görzer Grafen zu verstärken — 1424 anerkannte Heinrich die venezianische Lehenshoheit für allen Besitz, den er bislang von Aquileja zu Lehen hatte 27) —, so wachsam Venedig später jede kleinste Veränderung beobachtete: Friedrich IV. brauchte unmittelbar nach 1440 keine Intervention zu fürchten. Dies lag nicht etwa in einer Gleichgültigkeit Venedigs für seine nordöstliche Grenze begründet; 1451 reagierte es auf die falsche Nachricht vom Tode Heinrichs 28) sofort mit der Anweisung, daß der luogotenente della patria del Friuli die Nachfolge Cillis in Görz verhindern solle 29). Doch für das vorangegangene Jahrzehnt schweigen die Aktenpublikationen Cusins und Predellis, wie preventus est ante comitem Heinricum“ fügt die Schreiberhand der Abschrift im Reichsregister hinzu (wie Anm. 22). 2«) C u s i n Aspirazioni 90. 27) Wiesflecker Entwicklung 356. 28) Dieses Gerücht entstand vielleicht in Zusammenhang mit den wiederaufgeflammten Streitigkeiten des görzischen Ehepaares, die zur neuerlichen Gefangennahme Heinrichs IV. durch Katharina auf Karstberg führten. Vgl. Wiesflecker Entwicklung 361; Weingartner Die letzten Grafen 114. 29) Fabio C u s i n Documenti per la storia del confine orientale nei secoli XIV e XV (Archeografo Triestino III/21, Trieste 1936) 58; Aspirazioni 91.