Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
422 Literaturberichte Von großer Sachkenntnis zeugt der Abschnitt Reinhard Wittrams über Rußland von 1689 bis 1796. Klaus Z e r n a c k behandelt die beiden skandinavischen Reiche von 1654 bis 1772, Ricardo Krebs die iberischen Staaten von 1659 bis 1788. Otmar Frh. v. Aretin beschränkt sich auf eine knappe Darstellung der Geschichte Italiens im 18. Jahrhundert, und auch die Abschnitte über die Niederlande und die Schweiz von Ivo Schöffer und Andreas Staehelin sind sehr konzis gefaßt; doch entsprechen alle, vor allem in ihren bibliographischen Teilen, durchaus den Anforderungen eines modernen Handbuches. Besonders hervorgehoben zu werden verdient der Beitrag über Polen von Hans R o o s. Herbert Jansky hat als einziger österreichischer Mitarbeiter dieses Bandes den Abschnitt über die Osmanenherrschaft in Südosteuropa von 1648 bis 1789 verfaßt. Hier müssen vor allem die Bemerkungen über die Begleiterscheinungen der zweiten Türkenbelagerung Wiens auf der Seite der Osmanen hervorgehoben werden, insbesondere das Verhältnis der Tataren zu Polen. Es handelt sich dabei um durchaus neuartige, im einzelnen noch zu überprüfende Erkenntnisse, die den Rahmen eines Handbuches eigentlich bereits sprengen. So wertvoll die orientalischen Quellen, die Jansky noch in seinem Beitrag anführt, sind, wäre doch noch mit Rücksicht auf den zu erwartenden Benützerkreis des Handbuches auch eine stärkere Berücksichtigung westlicher Literatur wünschenswert gewesen. Abschließend soll nur kurz bemerkt werden, daß sowohl im speziellen als auch im allgemeinen Teil die Aufklärung etwas zu kurz gekommen erscheint und — wenn man sich den Titel des Bandes vor Augen hält — zweifellos der Absolutismus das Feld der Darstellung beherrscht. Im großen und ganzen ist das Buch als gelungen zu bezeichnen und es ist zu hoffen, daß dieses Werk bald ein ebenso unentbehrliches Hilfsmittel für den Historiker wird, wie der Gebhardt. Eine zügige Fortsetzung und Herausgabe der anderen Bände wäre daher sehr zu wünschen, da zu lange Pausen den Gesamtwert eines derartigen Kompendiums beeinträchtigen könnten. Rudolf Neck (Wien) Ferdinand M a a ß, Der Frühjosephinismus. (Forschungen zur Kirchengeschichte Österreichs 8. Josephinische Abteilung, hg. vom Kirchengeschichtlichen Institut der Universität Innsbruck 3.) Verlag Herold, Wien—München 1969. 126 S. In dieser kleinen aber gehaltvollen Studie hat der Herausgeber der Quellen zur Geschichte des Josephinismus versucht, die Vorgeschichte der edierten diplomatischen Korrespondenzen mit Hilfe anderer Bestände zu erhellen. Nach dem Verlust der Staatsratsakten im zweiten Weltkrieg standen ihm dazu noch die Resolutionen der Kaiserin in den Protokollen, sowie Akten des Verwaltungsarchivs und des Familienarchivs der Grafen Chotek, das sich jetzt in Prag befindet, zur Verfügung. Auch damit ist es gelungen, den allmählichen, aus dem Zeitgeist entstandenen Wandel in der Kirchenpolitik und den großen persönlichen Anteil der Kaiserin festzustellen.