Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
418 Literaturberichte auch thematisch den Rahmen, ist aber von größtem Interesse, da sie dessen gesamte Tätigkeit im Dienst Ruprechts von der Pfalz, als Bischof von Verden und auf dem Konzil von Pisa einbezieht. Erst das dritte Kapitel dieser vorzüglichen Arbeit zeigt Ulrich als Bischof von Seckau, wo er nun neben seiner juridisch-schriftstellerischen Tätigkeit ganz auf praktische Pontifikalaufgaben konzentriert erscheint. Er ist auf dem Salzburger Provinzkonzil tätig und erneuert die Konstitutionen des Seckauer Stiftes. Auf Grund eines Fundes Amons konnte die Frage seiner Kardinalserhebung geklärt werden. Bei den nachfolgenden Bischöfen des 15. Jahrhunderts bewältigt Amon nicht die Sprödigkeit des Materials. Georg II. Überacker ragt unter ihnen einigermaßen hervor. Es gilt hier, was Benno Roth für die Bischofsviten an der Schwelle der Reformation bedauernd feststellt: daß die Aufgabe, auch das kirchliche und religiöse Leben des Einzelnen und der Gesamtheit darzustellen, nicht erfüllt werden kann, ,,da diese Seite in der ungeheuren Menge der urkundlichen Quellen gar nicht berührt wird, oder nur ganz vereinzelt zwischen den Zeilen vermutet werden kann“ (S. 174) — so wenn es bezüglich der Katastrophen, die das Land heimsuchten, heißt: „Unsere Sünde ist schuld daran“. Für das an Kämpfen reich belastete Leben Bischof Mathias Scheits steht Roth eine eingehende ungedruckte Arbeit von A. Lang zur Verfügung, aus der er einen interessanten Auszug bringt. Der Krieg gegen die Ungarn im Land, die eigene Haft, der Kampf um die bischöflichen Rechte, der mit dem Tod als Exkommunizierter endet, bezeichnen dieses Leben. Tragischer noch aber ist die in den folgender Beiträgen von Amon geschilderte Tatsache, wie wenig gerade die Bischöfe der Reformationszeit ihre Aufgabe erfaßten. Von Bischof Räuber (1509—36) muß er sagen: „seine kirchliche Rolle liegt am Rande seiner Leistung und kennzeichnet .. . die weiteste Entfernung der bischöflichen Gewalt von ihrer eigentlichen Aufgabe“ (S. 197). Christoph von Lamberg, Verwandter Räubers, dessen Koadjutor und späterer Bischof der Diözese, hat nie die geistlichen Weihen empfangen, unternahm nichts gegen das Vordringen des Protestantismus und von seiner kirchlichen Tätigkeit ist nichts bekannt. Mit Johann von Malentin steht es keinesfalls besser. Sehr gut ist die Stellung von Georg Agricola (1572—84) gezeichnet, der von sich sagte: „Ich tue das meine nit allein als ein landtman, sondern auch als ein bischof im landt“. Im beginnenden konfessionellen Kampf der Kirche blieb er der Bischof der alten Zeit. „Non satis idoneus“ nennt ihn Nuntius Portia. Den Abschluß der Beiträge Amons bildet die gut gelungene Studie über Martin Brenner, den großen Bischof der katholischen Reform. In relativer Kürze und Prägnanz, gestützt auf die bisherigen Biographien, doch mit Verwertung weiterer gedruckter Quellen zeichnet er mit gerechtem Urteil die persönliche Leistung dieses von seiner Aufgabe erfüllten Bischofs, der binnen weniger Jahre das Bild der Kirche in der ganzen Steiermark, nicht nur im Seckauer Bistum, veränderte. Mehr unbekanntes Material konnte Dieter C w i e n k in seinem Beitrag über Jakob I. Eberlein (1616—33) verwerten, der neben Brenner allzusehr im Schatten stand. Aus den Visitationsprotokollen und Tagebüchern dieses Oberhirten tritt eine überraschend planmäßige und wirksame