Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
Rezensionen 419 Tätigkeit in den Spuren seines großen Vorgängers zutage, die nun ganz der innerkirchiichen Erneuerung gewidmet ist. Interessant sind hier auch die Angaben über die damit verbundene Bau- und Umbautätigkeit, die aus den gotischen Kirchenräumen barocke gestaltet. Diese Komponente, die nun die ganze folgende Epoche prägt, gewinnt bei Karl Klammin- g e r ein besonderes, durch eine Häufung von Einzelheiten sogar übergroßes Gewicht. In diese Bischofsreihe ist viel mehr als dies bisher geschah, die Kirchengeschichte des Landes einbezogen, so wenn auf die Probleme der Türkeneinfälle, der Pestzeiten und der wahnsinnig aufflammenden Hexenprozesse näher eingegangen wird. All diese Kirchenfürsten während eineinhalb Jahrhunderten stammen aus bekannten Adelsfamilien, wobei den Hauptanteil verwandte Geschlechter aus dem Bistum Trient stellen: die Grafen Thun und Firmian, Spaur und Arco. Viele unter den Bischöfen dieser Zeit stiegen von dem kleinen Seckauer Bistum zu wichtigeren Bischofsitzen wie Passau, Brixen und Olmütz auf, vier wurden Erzbischöfe von Salzburg, zwei Kardinäle. Trotz dieses Aufstiegs durch verwandtschaftliche Beziehungen war die Auslese keine schlechte. Fast alle waren Jesuitenschüler im Germanicum gewesen, manche von besonderer Frömmigkeit. Franz Anton von Wagensperg zeichnete sich unter ihnen als Kanzelredner besonders aus, von Josef Dominikus Graf Lamberg kann der Autor sagen, er sei das Muster eines seeleneifrigen Bischofs gewesen. Die Weihe von 649 Priestern in seiner 11jährigen Amtszeit verrät einen Höhepunkt im kirchlichen Leben. Bald wurde der Kryptoprotestantismus das größte Problem. Seine rasante Entfaltung um die Mitte des 18. Jahrhunderts drängte zur Errichtung zahlreicher neuer Seelsorgestellen, besonders durch Bischof Leopold Ernst Grafen Firmian (1739—63), den späteren Bischof von Passau und Kardinal. Bischof Josef Graf Spaur, persönlich als uneigennützig und überaus wohltätig, vor allem für alte, kranke Priester, geschildert, entwickelte sich auf seinem späteren Bistum Brixen „zu einem josephinischen Kirchenfürsten ersten Ranges, der kaum von einem in der Monarchie übertroffen wurde“. Im Bistum Seckau zieht der Josephinismus mit Bischof Josef Adam Graf Arco ein, der so wie auch sein Nachfolger Johann Friedrich Graf Waldstein von Andreas Posch charakterisiert wird. Der Autor meint, die bisher „allzu hart beurteilten Kirchenfürsten der Aufklärungszeit“ in Schutz nehmen zu müssen, geht aber darin wohl um eine Nuance zu weit. Mit Recht hebt er deren tadellose Lebensführung und deren Eifer hervor, sieht aber zu wenig, daß die rationalistischen staatskirchlichen Maßnahmen der Religiosität des Volkes einen schweren Schaden zufügten und daß deren getreue Befolgung durch die Bischöfe nicht nur „eine unkirchliche Auffassung der Herrscherrechte“, sondern eine angekränkelte Auffassung des Bischofsamtes verrät. Daß sie sich im ganzen keineswegs „wohltätig auswirkten“, zeigt eine Eingabe Bischof Arcos selbst an die Hofkanzlei nach Josefs II. Tod, „um dem Verfall der Religion und Zucht Einhalt zu tun“. Noch deutlicher geht die Lage aus einem Aufsatz von Brigitte Selenko-Schefzek über Alexander Franz Josef Graf Engl von Wagrain (1786—1800) hervor, der als Vertrauensmann der jansenistischen Passauer Bischöfe begonnen und sich 27*