Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 417 Allgemeine, politische und Kirchengeschichte Karl Amon (Hg.), Die Bischöfe von Graz—Seckau 1218—1968. Verlag Styria, Graz—Wien—Köln 1969. 499 S., 54 Abb. Die Grundlage dieses umfangreichen Jubiläums Werkes war die Disser­tation von Fritz Posch, dem späteren Direktor des Steiermärkischen Lan­desarchivs, Eine Seckauer Bischofschronik 1218—1399 (Graz 1936), die in ähnlicher Weise für die weiteren Bischöfe fortgesetzt wurde, wobei insge­samt zehn Autoren mitwirkten. Trotz des einheitlichen Konzeptes wurden die Beiträge sehr verschiedenartig, bedingt durch die Quellenlage, die spe­zifische Problematik der Epoche und die Eigenart des Autors. Für das Mittelalter galt der Grundsatz, möglichst alles erreichbare Material heranzuziehen, wenn auch die vorhandenen Quellen oft nur peri- phäre Dinge über das bischöfliche Wirken aussagen und so in ihrer Häu­fung oft eher eine Belastung darstellen. Fritz Posch weiß mit Geschick diese Schwierigkeit zu meistern. Die Darstellungen gewinnen aber von Anfang an mehr Lebendigkeit dadurch, daß die Oberhirten dieses kleinen Bistums oft anderswo eine bedeutsamere Wirksamkeit entfalteten, aus der ihre Persönlichkeit auch klarer erfaßbar ist. Schon der erste Bischof Karl taucht oft im Gefolge des Erzbischofs von Salzburg auf, der zweite Bischof Heinrich war ein unverbrüchlicher Getreuer des letzten Babenbergers. Der dritte, Bischof Ulrich I., kam selbst aus der Babenbergerkanzlei, wo er als Protonotar wohlbekannt ist. Später wurde er auch Erzbischof von Salz­burg, und nun liegt das Gewicht auf seinem Krieg mit dem abgesetzten Vorgänger, — wobei das Seckauer Bistum verwüstet wird. Wernhard von Marsbach (1268—83), eine der wenigen mittelalterlichen Persönlichkeiten des Landes, über die die Quellenlage mehr als eine lückenhafte Aussage gestattet, ist als glänzender Redner, Diplomat, Anhänger König Otto­kars von der großen Politik her zu erfassen. Aber auch sein Wirken in seinem Bistum ist jetzt nicht nur in wirtschaftlicher und rechtlicher, son­dern auch in religiöser Hinsicht zu erkennen. Auf seinem Reformstatut für das Chorherrenstift Seckau 1269 bauten spätere Bischöfe, besonders der Reformator der Diözese Wocho (1317—43), auf. Das Epitaph dieses Bischofs ist als ältestes im Seckauer Dom erhalten und wird, sowie alle Siegel dieser frühen Bischöfe und einige Urkunden, auf Kunstdrucktafeln wiedergegeben. Der Ausbau des Südturmes der Domkirche durch Wocho wird erwähnt, sonst aber auf die Bedeutung Seckaus im künstlerischen Sinn kaum Bezug genommen. Auf den bedeutenden Nachfolger Rudmar von Hader (1337—55) geht der Ausbau der Schlösser Leibnitz und Wasserburg zurück. Augustin Münzmeister aber verschleuderte viel Bistumsgut. „Er kam in sein Bistum wie ein Mietling“, schreibt sein Gegner und Nachfolger, der Chronist Johann von Neuberg. Dieser letzte, den Posch beschreibt, leitet eine Reihe von drei Bischöfen steirischer Herkunft ein. Der dritte, Sigmar von Holleneck, starb auf dem Konstan­zen Konzil, was ihm, wie Karl Amon nachweisen kann, erst seit dem 18. Jahrhundert den Ruf eines großen Theologen einbrachte. Die Biogra­phie Ulrichs von Albeck, für die Elisabeth Kovács ihre Dissertation (Wien 1952) heranziehen konnte, sprengt zwar umfangmäßig und wohl Mitteilungen, Band 23 27

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