Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
416 Literaturberichte Acta Pacis Westphalicae. Serie II, Abt. A.: Die kaiserlichen Korrespondenzen, Band 1: 1643—1644. Bearbeitet von Wilhelm Engels unter Mithilfe von Elfriede M e r 1 a. Verlag Aschendorff, Münster i. Westf. 1969. XXX und 745 S. Wieder sind wir in der glücklichen Lage, das Erscheinen eines weiteren Bandes des großen Editionsvorhabens zum Westfälischen Frieden anzeigen zu dürfen (Vgl. MÖStA 20 [1967] S. 518 ff). Der vorliegende Band ist für uns von besonderem Interesse, weil damit die Korrespondenzen der kaiserlichen Gesandten eröffnet werden. Er umfaßt im wesentlichen nur das erste Kongreßjahr, genauer die Zeit von der Eröffnung am 1. April 1643 bis September 1644. Der deutsche Aktenstil dieser Zeit ist besonders langatmig, was sehr den Umfang der Edition erweitern muß. Außerdem mußten gerade die kaiserlichen Gesandten eine größere Zahl von Sachgebieten bearbeiten, was sich nicht nur auf die Texte, sondern vor allem auf den Kommentar, der im vorliegenden Band nichts zu wünschen übrig läßt, auswirkte. Für spätere Bände sind mehr Regesten geplant, um Raum zu sparen, damit der vorgesehene Umfang von insgesamt 8 Bänden bis zum Friedensschluß auch eingehalten werden kann. Im vorliegenden Band werden vor allem Quellen aus dem Haus-, Hof- und Staatsarchiv herangezogen, namentlich die Friedensakten der Reichshofkanzlei. Die editionstechnischen Regeln wurden den speziellen Erfordernissen angepaßt, viele Texte gekürzt, aber das wesentliche im Wortlaut wiedergegeben. Nur so war es möglich, alle 417 Nummern aufzunehmen. Der Benützer wird freilich oft den Wunsch hegen, auch von den Beilagen mehr zu erfahren, denn hier hat man sich im allgemeinen auf archivbehelfsartige Angaben beschränkt. Aber solche Wünsche sind leider unerfüllbar, wenn wir letzten Endes die Edition nicht ins Uferlose erweitern wollen. Als kaiserliche Gesandte treten in dieser Zeit in Erscheinung: Auersberg, Nassau, Crane und Vollmar. Die Korrespondenzen dieser Diplomaten laufen nicht nur von Münster und Osnabrück zum Kaiserhof, wo besonders der Reichsvizekanzler Graf Kurz eine große Rolle spielt, sondern auch untereinander. In der vorzüglichen Einleitung erfahren wir alles wesentliche über Kanzlei und Registraturen der Gesandten, Verschlüsselung usw. Inhaltlich ergeben sich viele Details über die Schwierigkeiten, die sich den Anfängen der Verhandlungen entgegenstellten, Schwierigkeiten rein technischer Natur, wie die unverschämten Teuerungen in Osnabrück oder die Quartierprobleme, aber auch politische Probleme. Sehr bedenklich werden die Rückwirkungen des Konflikts zwischen Schweden und Dänemark, die fast einen Abbruch der Verhandlungen verursacht hätten. Mit den Franzosen gibt es zunächst hauptsächlich Unstimmigkeiten wegen der Verhandlungsvollmachten. Auch die Neutralisierung der Verhandlungsstädte Münster und Osnabrück erfolgte nicht ohne Hindernisse. Es führte ein langer und dornenvoller Weg zu dem Punkt, an dem die eigentlichen Verhandlungen um konkrete Fragen beginnen konnten. Umso mehr hoffen wir auf eine baldige Fortsetzung dieser Reihe. Rudolf Neck (Wien)