Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

412 Literaturberichte wird in vielen Stücken, so etwa in den DD 134, 135 und 136 offenbar. Daneben fällt auch auf, daß der hohe Adel als wichtige Empfängergruppe stärker in Erscheinung tritt. Neben dieser Vielfalt des Materials verdient aber auch die bessere Berichterstattung Erwähnung. Es sei etwa auf das D 127 verwiesen, das knapp, aber sehr klar das Entstehen des Stiftes Arn­stein berichtet. Es ist verständlich, daß H. wegen dieser Fülle des Inhalts die inneren Merkmale wenig berücksichtigte. Dennoch wäre ein Ansatz in dieser Richtung für spätere Bearbeiter eine Hilfe gewesen; wir wollen aber dennoch hoffen, daß sich bald Fachleute finden, die das Ineinander­greifen von päpstlichem und kaiserlichem Formular, wie es unter Konrad geschah, und das gegenseitige Beeinflussen der verschiedenen Rechts­bereiche genauer untersuchen. Ein weiteres Moment muß aber für unsere Heimat herausgestrichen werden: Konrad III. ist nicht nur der letzte König dieser Epoche, der für den Ostalpenraum in größerem Ausmaß urkundete — nach dem Privi­legium minus (1156) läßt das Kaisertum den Fürsten des Raumes freie Hand, bis dann wieder Friedrich II. energischer eingreift —, der erste König aus dem Stauferhaus hat sich auch im bayerischen Stammesgebiet so engagiert, daß der Eindruck entsteht, der König wollte die herzogliche Macht zurückdrängen, wie aus den DD 36, 37, 62, 66, 80, 81, 82 und anderen erschlossen werden könnte. Daher enthält der vorliegende Band für die Geschichte Österreichs reichstes Material. Einiges davon sei heraus­gehoben: H. zweifelt an der Echtheit von D 173 von 1147 für Klo­sterneuburg, und da dieses Stück als ältester einwandfreier Beleg für den Namen „Austria“ gilt und deshalb die Einführung dieses Begriffs dem Jahre 1156 naherückt, müßten Forschungen zum Privilegium minus we­nigstens zu diesem nicht unwesentlichen Detail abermals aufgegriffen werden. Die österreichische Geschichtswissenschaft ist daher vor weitere Fragen gestellt. Darunter scheint mir auch die Frühgeschichte Zwettls einer Überprüfung wert. Es ist nicht nur merkwürdig, daß Konrad 1139 dem Kloster den ersten Besitz bestätigt, 1147 aber dann nochmals den Wald übertrug, der den Kern des frühesten Ausstattungsgutes bildete, sondern auch seltsam, das Hadmar von Kuenring nur als Vorbesitzer, aber nicht als Gründer aufscheint. Das Engagement des Staufers ist aber auch durch die Tatsache bewiesen, daß Zwettl nicht nur das erste, sondern auch das einzige Kloster war, dem der König die Entvogtung zugestand. Welche Rolle spielte der Staufer, so müssen wir fragen, denn wirklich, oder sind vielleicht die Quellen unverläßlich? Wenn jetzt aber alle Probleme, die in dieser Edition für unsere Heimat angeschnitten werden, aufgezählt werden sollten, wäre der Rahmen einer Besprechung gesprengt. Auf weitere Bemerkungen sei daher verzichtet. Festhalten wollen wir zum Abschluß, daß die vorliegende Ausgabe be­weist, welchen überragenden Quellenwert die Kaiserurkunde auch in der ersten Hälfte des 12. Jahrhunderts besitzt, in einer Epoche, die allzu oft als Tiefpunkt der königlichen Macht angesehen wird. Allein schon des­wegen werden wir fragen müssen, ob Konrad nicht zu schlecht beurteilt wird. Den Editor des Bandes kann es mit Stolz erfüllen, daß schon eine

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