Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Rezensionen 413 erste flüchtige Konfrontation die Bedeutung des Materials erkennen läßt, und daß er seine Arbeit, für die wir ihm nochmals aufrichtig danken, einem geradezu aufregenden Gebiet gewidmet hat, dessen Bedeutung bis jetzt von uns stark unterschätzt wurde. Heinrich Koller (Salzburg) Nuntiaturberichte aus Deutschland. Nebst ergänzenden Aktenstücken. Abt. 2: 1560—1572. Hg. von der Historischen Kommission der österreichischen Aka­demie der Wissenschaften in Wien und dem Österreichischen Kulturinstitut in Rom. Band 8: Nuntius G. Delfino und Kardinallegat G. F. Commen- done 1571—1572. Bearb. von Johann Rainer Hermann Böhlaus Nachf., Graz—Köln 1967. XXIII, 298 S. Die von R. bearbeitete Korrespondenz des Bischofs von Torcello Giovanni Delfino und des Kardinallegaten Giovanni Francesco Commen- done umfaßt nur einen kleinen Zeitraum. Nuntius Delfino ist erst im Juli 1571 beim Kaiser in Wien eingetroffen. Im Mai 1572, bei Bekanntwerden der Nachricht vom Tod Pius V., bricht der Band ab. Damit endet nach der Vereinbarung von 1891 der dem österreichischen historischen Institut in Rom zur Bearbeitung überlassene Zeitraum von 1560 bis 1572, von dem insgesamt acht, von Steinherz, Dengel, Kramer, Wandruszka und R. her­ausgegebene Bände erschienen sind, nach 76 Jahren. Die der ersten, vom deutschen historischen Institut in Rom herausgegebenen Reihe angegli­chenen Editionsgrundsätze wurden auch in diesem letzten Band aus be­greiflichen Gründen nicht verändert. Es werden Volltexte geboten, nur die formelhaften Anfänge und Abschlüsse der Briefe sind weggelassen. Der Kommentar wird auf das Wesentliche eingeschränkt und nicht der Versuch unternommen, in einer ausführlichen Einleitung den Hauptinhalt der Briefe nachzuerzählen und mit korrespondierenden Aktenstücken anderer Provenienz anzureichern, wie es die dritte Reihe der Nuntiatur­berichte zu ihrem Schaden begonnen hat. Nach einer kurzen Einleitung Leo Santifallers über die bisherige Geschichte und den nunmehrigen Abschluß des langwierigen Unterneh­mens (S. V—VII) unterrichtet der Bearbeiter über die beiden Hauptper­sonen, die Venezianer Delfino und Commendone, über die schlechte Quellenlage, über die Chiffernschlüssel und die beobachteten Editions­grundsätze (S. VIII—XVII). Leider sind ungefähr ein Drittel der Berichte Delfinos aus Wien und nahezu alle Weisungen an ihn aus Rom in Verlust geraten, überdies sind die im Vatikanischen Archiv liegenden Originale teilweise durch Tintenfraß beschädigt. Einen gewissen Ersatz für diese Verluste bietet die ebenfalls aufgenommene Korrespondenz Delfinos mit dem nach Polen weitergereisten Kardinallegaten, wenigstens für die ersten Monate des Jahres 1572. Der Inhalt der Korrespondenzen bietet keine besonderen Überraschun­gen. Das Hauptgewicht liegt bei den vergeblichen Bemühungen, den Kaiser zum Beitritt zur Liga zu bewegen. Nach den Erfahrungen des Feldzugs von 1566, bei seinem schlechten Gesundheitszustand, den Schwie­rigkeiten mit den protestantischen Ständen und der trostlosen finanziellen

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