Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte
410 Literaturberichte Frankreich und die Niederlande (1958—1965) begannen, nun folgt 1969 Österreich. Nach einer Vorarbeit von zehn Jahren, in deren Verlauf die Handschriften auf ihre Datierungen untersucht wurden, ergab sich eine Gesamtzahl von etwas mehr als 1700 datierten Handschriften. Während der vorliegende erste Band (bis zum Jahr 1400) 240 Handschriften verzeichnet, sind für die geplanten folgenden drei Bände ca. 1485 Handschriften vorgesehen, die bis 1600 reichen, wobei nicht nur die Österreichische Nationalbiblothek im Rahmen dieser, von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften in dankenswerter Weise in ihr Arbeitsprogramm übernommenen Kataloge behandelt werden soll, sondern auch die übrigen österreichischen Bibliotheken. Die Beschreibung der Handschriften folgt den Codex-Nummern, während die Abbildungen in chronologischer Anordnung in einem eigenen Tafel-Band aufscheinen. Neben der Datierung wurden auch Handschriften mit der Angabe des Entstehungsortes oder des Schreibers aufgenommen, wobei im Falle der Datierung die sonst so bedeutsame Paläographie ausgeschlossen wurde und der Herausgeber die Einordnung auf Grund der Tatsache vornahm, daß das Manuskript zur Zeit oder im Auftrag einer bestimmten historischen Persönlichkeit entstand, oder daß es sich um eine Chronik oder um regelmäßig abgefaßte Annalen handelt, so daß der Inhalt nur einer ganz bestimmten Zeit zugehören kann. Bei falscher Datierung (z. B. infolge Abschreibens einer Vorlage) wurde die Handschrift nicht in den Katalog aufgenommen. Datierte Handschriften, die als Spiegelblätter auf Einbanddeckel geklebt sind, oder sich herausgelöst in der Handschriftensammlung befinden, wurden auch nicht berücksichtigt. Unter Maximilian II. kamen wertvolle Bestände an die Hofbibliothek, die durch die 1578 erworbene Bibliothek des kaiserlichen Historiographen und Arztes Johannes Sambucus, 1656 durch die Fuggersche Bibliothek und 1665 durch die Ambraser bereichert wurde. Selbstverständlich beinhaltete die 1737 erworbene Bibliothek des Prinzen Eugen gleichfalls zahlreiche Handschriften, vor allem aus Frankreich und Italien. Als 1756 die Universitätsbibliothek in den Bestand der Hofbibliothek übernommen wurde, kam das Bildungsgut, das sich seit dem 14. Jahrhundert an der Hochschule angesammelt hatte, in ihren Besitz, und damit auch ein größerer Komplex von in Wien selbst geschriebenen Handschriften. Die Stadtbibliothek und die Bestände der zahlreichen aufgelassenen Klöster lieferten Zeugnisse für Schreibschulen (vor allem Mondsee für das 9. und 12. Jahrhundert). Ein Literaturverzeichnis mit den wichtigsten Werken, eine chronologische Reihung der Handschriften und ein ausgezeichnetes Register schließen den Band, der zahllose Unikate beinhaltet. Der Tafelband zeigt in zweiseitigem Schwarzweißdruck, im Gegensatz zum französischen Beispiel, wo der einseitige Druck verwendet wird, ausgezeichnete Schriftbeispiele in Originalgröße. Mit Interesse darf man den weiteren Teilen entgegensehen, die mit den vorliegenden Bänden eine Lücke in der österreichischen Wissenschaftspflege schließen helfen und dem Forscher wie dem Kenner wertvollste Bereicherung bieten werden. Lorenz Mikoletzky (Wien)