Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

Sammelreferate 405 Publikationen Jahr für Jahr neue Forschungsergebnisse vorlegt und daß dieses Gebiet nicht mehr allein Nicht-Historikern überlassen bleibt. Auch in Österreich hat nach vielen Hindernissen die wissenschaftliche Bearbei­tung der jüngsten Vergangenheit Anerkennung der Fachgenossen gefun­den. In der vom Wiener Institut herausgegebenen Reihe (Vgl. MÖStA 17/18 [1964/65] S. 683 ff) ist in den letzten drei Jahren je ein Band erschienen, akademische Arbeiten von bedeutendem Niveau. Sie stammen durchwegs von jungen Verfassern, verraten jedoch die wissenschaftliche Betreuung durch den Herausgeber, dem es gelungen ist, die zeitgeschicht­liche Forschung in Österreich auf akademischem Boden aufzubauen. Die Anfänge der zweiten Republik sowie das Ende des Zweiten Welt­krieges in Österreich bedürfen noch mancher Untersuchung. Schriftliche Quellen darüber sind spärlich, die Ämter funktionierten auch im Hinblick auf Dokumentation kaum, einer trüben Gegenwart stand eine ungewisse Zukunft bevor. Hier waren es wieder die Bundesländer, auf deren Ebene der Wiederaufbau einsetzte, und hier liegt auch die erste Aufgabe der Forschung. Hindinger hat für Oberösterreich das Ende der Hitlerherrschaft dargestellt, ein Ende mit Schrecken unter dem besonders berüchtigten Gauleiter Eigruber. Der Widerstandsbewegung gelang es, die Übergabe der Landeshauptstadt Linz an die einrückenden Amerikaner kampflos zu erzwingen. Unter dem Besatzungsregime wurden bald die Verwaltun­gen in den Städten aber auch im Land aufgebaut. Die Vfn. behandelt ein­gehend die Versorgungsnöte der ersten Zeit, kann aber auch die schritt­weise Normalisierung des Lebens skizzieren. Das Problem der Entnazifi­zierung, die Organisierung des Arbeitseinsatzes wurden schon vom Anfang an in Angriff genommen. Ein besonderes Problem wurde für das Land, und hier steht Oberösterreich für den ganzen Staat, die Teilung in zwei verschiedene Besatzungszonen. Hier beginnen sich schon 1945 die künfti­gen Schwierigkeiten abzuzeichnen, die die Ernennung eines Sonderbeauf­tragten für das sowjetisch besetzte Mühlviertel nur zum Teil erleichtern konnte. H. schildert noch den Aufbau der politischen Parteien und die Beziehungen zu Wien, die Länderkonferenzen, sowie Vorbereitung und Durchführung der entscheidenden Wahlen im November. Abbildungen und die Wiedergabe von Dokumenten stützen die Darstellung, die nur den Wunsch offen läßt, daß bald in dem beabsichtigten Zyklus auch die ande­ren Bundesländer für das Jahr 1945 eine ähnliche Untersuchung erwarten dürfen. Stuhlpfarrer behandelt ein Thema, das unseren südlichen Nach­barn betrifft, durch den engsten Konnex mit der Südtirolfrage aber auch für die österreichische Zeitgeschichte von Bedeutung ist. Die Operations­zonen entstanden mit dem Abfall Badoglios von der Achse. St. geht auch auf die Vorgeschichte, die Entwicklung Italiens bis zum Sturz Mussolinis ein. Dem raschen Durchdringen der deutschen Truppen folgte bald eine Rückkehrbewegung ausgesiedelter Südtiroler in ihre alte Heimat, die zunehmend zu Spannungen mit den Organen des faschistischen Regimes führte. Die militärische Besetzung durch die Deutschen trug bald auch

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