Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

NECK, Rudolf: Sammelreferat. Zeitgeschichte

406 Literaturberichte annexionistische Tendenzen. Das Verhältnis zu den republikanisch-faschi­stischen Dienststellen war dadurch gekennzeichnet, daß einer Vereinheit­lichung der militärischen Kampfführung die Uneinheitlichkeit auf dem zivilen Verwaltungssektor gegenüberstand. Dennoch waren alle Maßnah­men auf eine spätere Einverleibung der Gebiete ausgerichtet. Als Öster­reicher sind hier die Gauleiter Rainer und Hofer besonders in Erscheinung auf die Vorgeschichte, die Entwicklung in Italien bis zum Sturz Mussolinis getreten. St. behandelt noch ausführlich die Pläne einer Alpenfestung und geht auch auf die Friedensfühler der SS im Süden, die spektakuläre Sonderkapitulation der Heeresgruppe C, ein. Für seine Studie konnte der Vf. auch Dokumente der Tiroler Landesregierung heranziehen. Zuletzt erschien von Schausberger in derselben Reihe ein Bei­trag zur Frage des Anteils Österreichs am kriegswirtschaftlichen Potential Hitlers. Der Vf. konnte dazu amerikanische Filme von deutschen Akten­materialien heranziehen, hauptsächlich solche der Wehrmacht und der Rüstungsämter. Die Kriegsrüstung war schon beim Anschluß ein Neben­motiv der Politik Hitlers. Die Schilderung der wirtschaftlichen Lage am Ende des Schuschnigg-Regimes scheint mir etwas zu optimistisch; vor al­lem war die offizielle Arbeitslosenstatistik in vieler Hinsicht fragwürdig. Die Eingliederung Österreichs in die deutsche Kriegswirtschaft erfolgte nicht ohne erhebliche Schwierigkeiten. Es ist eines der wichtigsten Ergeb­nisse dieser bemerkenswerten Untersuchung, daß das Land, obwohl es bald von der Kriegskonjunktur erfaßt wurde, erst relativ spät voll integriert werden konnte. Über das engere Thema hinaus führt Sch. mit seinen Feststellungen zur mangelhaften Flexibilität der deutschen Rü­stungspolitik bei einem immer wieder abgewandelten Gesamtkonzept. Hier verweist er besonders auf die schweren, nicht wieder gutzumachenden Versäumnisse im Winter 1940/41. Die Bombardierungen im Westen haben die Forcierung der Rüstung im Gebiet von Österreich weiter vorangetrie­ben, bis nach dem Vordringen der Alliierten in Italien der Bombenkrieg auch unser Land mit zunehmender Wucht erfaßte. Der Kulmination folgte bald der Zusammenbruch. Die Darstellung wird mit vielen Tabellen und Dokumenten gestützt. Vom Herausgeber der Reihe dürfen wir noch immer die Studie über den Juli 1934 erwarten. Von Jedlicka liegt inzwischen aber schon ein sehr instruktives Buch über die Vorgänge in Österreich 1918/19 vor, das sich vorwiegend auf unbekanntes Material über das Ende der Monarchie und die Anfänge der Republik, im wesentlichen die Zeit vom Waffenstill­stand bis zum Vertrag von St. Germain, stützt. Die Darstellung wird sehr durch ausführliche Quellenzitate verleben­digt. Besonders erwähnt zu werden verdient der Exkurs von Anton Staudinger über die Ereignisse in den Ländern, ein überaus wichtiges Thema. Eine ganz hervorragende Auswahl von 137 Fotos erhöht die Bedeutung des Büchleins für die zeitgeschichtliche Information. Außerhalb der von Jedlicka betreuten Reihe wurden noch andere Dissertationen zu zeitgeschichtlichen Themen gedruckt. Für Österreich besonders willkommen ist die Studie von K r o m e r, die sich mit der diplomatischen Seite des Kärntner Abwehrkampfes beschäftigt, besonders

Next

/
Oldalképek
Tartalom