Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)
MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik
194 Paul Meditier gen bezüglich einer Verbindungslinie nach Dalmatien gegeben worden waren. Auch über das Projekt Bugojno—Arzano bestehen einige Unklarheiten. Nur eine kleine Aktennotiz bestätigt Gerüchte über geheime Vereinbarungen zwischen Österreich und Ungarn über diesen Bahnbau anläßlich der Ausgleichsverhandlungen 41 *). Es ist anzunehmen, daß ein zeitweiliger Verzicht Österreichs nach der Ministerkonferenz am 10. Juli 1907 in irgendeiner Weise erfolgt ist. Die ganze Angelegenheit ruhte einige Jahre, da andere Fragen vordringlicher schienen. Erst in dem nach langen Verhandlungen erzielten Übereinkommen vom 8. November 1912 über einen recht großzügigen Ausbau von Eisenbahnlinien in Bosnien ist der Bau der schmalspurigen Linie Bugojno—Arzano enthalten; da aber die Strecke Jaice—Bugojno—Mostar gleichzeitig auf Normalspur umgebaut werden sollte, wäre keine durchgehende Zugsverbindung von Österreich nach Spalato möglich gewesen! Man wollte dadurch eine in jeder Hinsicht sehr fragwürdige, durchgehend schmalspurige Eisenbahnverbindung von Belgrad nach Spalato ermöglichen4ä). Obwohl die entsprechende Gesetzesvorlage am 8. April 1914 auf Grund des Notverordnungsparagraphen in Kraft treten konnte, sind in Bosnien kaum Bauarbeiten während des Krieges durchgeführt worden. Nach 1918 wurde der Gedanke dieser Verbindungsbahn fallen gelassen, und erst in der jüngsten Vergangenheit ist in der Nähe von Metkovic der leistungsfähige Hafen Ploce als Ausfuhrhafen für Bosnien geschaffen worden. Auch die bei den Ausgleichsverhandlungen des Jahres 1907 vereinbarte Verbindungslinie zwischen Kroatien und Dalmatien konnte vor 1918 nicht mehr vollendet werden. Am 15. Oktober 1909 gab Statthalter Nardelli im dalmatinischen Landtag die Erklärung ab, daß man „wegen des Baues dieser Linie wieder an die ungarische Regierung herantreten werde“ 43). Diese Erklärung und ähnliche mehr oder minder vage Zusagen kompetenter Behörden wirkten in Dalmatien nicht beruhigend, und gerade wegen der Verzögerung in der Eisenbahnfrage gewannen radikale Strömungen Oberwasser. Im September 1910 fand unter Beteiligung aller politischen Gruppen und wirtschaftlicher Interessentenverbände die Gründung eines dalmatinischen Eisenbahnrates statt, mit dem Ziel einer Koordination bezüglich der primär anzustrebenden Linien 44). Am 2. März 41) „Die Angelegenheit ist durch eine den Gegenstand betreffende, im Anschlüsse an den Ausgleich getroffene Vereinbarung erledigt“ Aktennotiz vom 16. Juli 1910 im VA EM Präs. ZI. 1670/1907. Auch der Statthalter und dalmatinische Politiker erhielten ausweichende Antworten in dieser Angelegenheit. «) VA EM Präs. ZI. 628/1914. 43) Diese und ähnliche Erklärungen machten in der dalmatinischen Öffentlichkeit böses Blut. **) Zeitung des Vereins Deutscher Eisenbahnverwaltungen 50 (Berlin 1910) 1220.