Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 23. (1970)

MECHTLER, Paul: Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik

Dalmatien und die österreichische Eisenbahnpolitik 183 Gebirgszüge) war man sich lange nicht im klaren, welche generelle Linienführung überhaupt anzustreben wäre 10 11). Die einzige Konstante war wohl eine Verbindung über kroatisches Gebiet an die bereits im Bau befindliche Linie von Karlstadt nach Fiume; für Österreich wäre eine direkte Verlängerung in Richtung Laibach von großem Nutzen gewesen, wofür bereits generelle Studien der Rudolfsbahn Vorlagen. Ältere Pro­jekte wurden auf Grund eines tiefschürfenden Gutachtens von Hof rat Nördling umgearbeitet. Schließlich einigte man sich auf die Ausführung einer Stammlinie von Spalato nach Knin mit Abzweigungen zur kroati­schen Landesgrenze, nach Sebenico (Sibenik) und nach Zara u). Nach dem ersten Projekt hätte die Linie von Spalato nach Knin über Clis und Muc geführt werden sollen — mit einer vierten Abzweigung nach Trau (Trogir) — einer Hafenstadt, die damals noch mit Spalato konkurrieren konnte. Das endgültige Projekt sah nun eine Trassenführung über Salona und Perkovic vor, wodurch die beiden Stichbahnen nach Sebenico und Zara viel kürzer wurden und auf die Ausführung der Linie nach Trau — trotz des Protestes der Gemeindevertretung — wegen der Anlage einer Station in der weiteren Umgebung der Stadt verzichtet werden konnte 12 * *). Auch lagen die damals in ihrem Umfang und Wert weit überschätzten Kohlenflöze von Siveric direkt an dieser Linie. Da eine sichere Reede in Spalato im Bau begriffen war, hoffte man, daß der am weitesten gegen den Orient vorgeschobene Hafen der Monarchie berufen sein würde, den Transithandel nach und von der Levante an die Ostküste der Adria her­überzuziehen. (Solche Erwägungen wurden wieder in Triest zwiespältig aufgenommen.) Nachdem alle technischen Probleme wenigstens in allgemeiner Hinsicht gelöst waren, blieben noch Finanzierungsfragen und der Bau der An­schlußstrecke in Kroatien offen. Bereits 1869 war zum erstenmal versucht worden, den Bau der Dalmatinischen Eisenbahn gesetzlich sicherzustellen. Eine umfassende Regierungsvorlage über die Vervollständigung des Eisenbahnnetzes in Österreich, die auch Dalmatien eingeschlossen hätte, war zwar von Handelsminister Plener am 13. März 1869 im Reichsrat eingebracht worden, wurde aber wegen Sessionsschluß bereits am 29. April zurückgezogen. Trotz verschiedener Interventionen, Majestäts­gesuche und Interpellationen ruhte die Frage des Eisenbahnbaues in Dalmatien drei Jahre. Durch die ah. Entschließung vom 14. Dezember 1872 wurde Handelsminister Dr. Banhans ermächtigt, einen Gesetzentwurf betreffend die Herstellung einer Eisenbahn von Spalato nach Knin mit 10) VA HM ZI. 6348/1868. 11) VA HM ZI. 32104/C1/1872. 12) Die Gemeindeverwaltung von Trau setzte alle Hebel in Bewegung, um einen Eisenbahnanschluß zu erlangen. Selbst Erzherzog Rainer und Außenmini­ster Andrassy intervenierten vergeblich beim Handelsministerium in dieser Angelegenheit: VA HM ZI. 4261/C1/1873.

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