Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

90 Alphonse Sprunck scheinlich nicht ohne eine bestimmte Absicht. Deshalb wollte Merode- Wester loo von Rialp und auch von Cardona Anweisungen für sein Ver­halten erhalten. Lieber wollte er als Privatmann leben, als Vasall eines gewöhnlichen Reichsfürsten werden18). Die Holländer hatten sich zwar etwas beruhigt, aber die Münzen, die in Namur geprägt wurden, machten ihnen große Sorgen. Ein englischer Sekretär erklärte in einer Konferenz vom 16. April, in der geredet wurde über die Verfügungen der Königin von England über die Kronen von Spanien und Sizilien im Utrechter Vertrag, seine Königin würde auch noch über andere Kronen verfügen. Im Haag hatte Strafford versucht, die Generalstaaten zu bewegen, ihre Flotte mit der englischen zu vereinigen, um die Staaten Nordeuropas zum Frieden zu zwingen. Diese hatten geantwortet, sie wollten keinen neuen Krieg be­ginnen und sich ohne Ermächtigung des Kaisers nicht um innere Ange­legenheiten des Reiches kümmern. Sicherlich konnte Karl VI. in würdiger Weise in den Besitz der niederländischen Provinzen kommen, wenn er bei den Verhandlungen über energische und ehrenhafte Vertreter ver­füge. Die Holländer wurden täglich vernünftiger und verstanden nunmehr, daß ihre Ansprüche auf eine weite Ausdehnung der Barriere nicht be­rechtigt wraren. In der Angelegenheit der Prinzessin von Ursins blieben sie ganz hartnäckig und verweigerten jede Garantie 19). Ein Umtausch der österreichischen Niederlande gegen Bayern wäre nach der Ansicht von Merode-Westerloo ein Unglück für ganz Europa 20). Mehrere Minister der Konferenz, die sich geschmeichelt hatten, in den flandrischen Rat nach Wien berufen zu werden, hielten Besprechungen unter sich; sie freuten sich, Max Emanuel in Brüssel, wenn nicht als Herrscher, doch wenigstens als Gouverneur, begrüßen zu können. Mérődé­it) „Si despues de lo que he hecho el amo no quisiere de mi ó es me- nester retirarse de particular en Venetia ó buscar un pájáro gordo a quien servir“. 19) Als Anerkennung für ihre Dienste, die sie Ludwig XIV. und der Ge­mahlin Philipps von Anjou geleistet hatte, forderte Anne-Marie de la Trémoille-Noirmoutier, Princesse des Ursins (Orsini), von diesem eine Herr­schaft in den katholischen Niederlanden oder in einem andern Gebiet seiner Monarchie. Baudrillart, S. 545. 20) „Confiesso a V. S. I. que no comprendo como se hallan gentes que pueden aconsejar al amo de deshagerse de estos payses por la Baviera, pues no es que por eilos que la monarchia de Espana, que no podia venir a eilos por tierra con la facilidad que el amo de agora lo hage de camino llano se ha hecho respectable en el mundo y necesaria a todos los principes de Europa. Essos Senores han mal leydo las prudentes instrucciones de Carlos V a su hijo: este gran principe que conocía mejor la importancia de estos payses, que nuestros ministros Austriacos, estaba persuadido, que quien era dueno dellos, y los sabía bien gobernar, lo era de hager a lo menos temblar toda la Europa y quisiera que el amo escuchasse mis ragones sobre esto, que cierto son mas derechas y leales de quien le propone cosa tan escandalosa y que Su Magestad viesse de sus ojos lo que es esto.“

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