Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 91 Westerloo hätte am liebsten an dieser Stelle eine Erzherzogin gesehen, die sich nur eine geringe Zahl von Ratgebern von Wien mitgebracht hätte. In einer Nachschrift erklärte er, die Schleifung der Festung Dün­kirchen sei eine Komödie, da die Franzosen eifrig im Begriffe standen, in einer Entfernung von einer Viertelmeile von dort eine neue Befesti­gung mit einem Aufwand von fünf Millionen zu erbauen; von dort würden auch ein Kanal und eine Straße nach Lille erbaut werden. In Holland ging Rede von einer Heeresreform, durch die sicherlich auch die hohen Ansprüche der Generalstaaten in den österreichischen Niederlanden einge­schränkt würden. Dieselben Mitteilungen sandte Merode-Westerloo auch am 14. Mai an Cardona. Am 21. Mai schrieb er den beiden, die Prinzessin von Ursins habe auf die Grafschaft Chiny verzichtet, sodaß ein Hindernis für einen Friedensschluß zwischen Philipp von Anjou und den Generalstaaten be­seitigt war. Der holländische Minister hatte Merode-Westerloo am 20. Mai erklärt, seine Regierung sei bereit, ganz oder teilweise auf eine Schuld von einer Million auf die österreichischen Niederlande zu verzichten. Merode-Westerloo hatte ihm geantwortet, dieses Zugeständnis genüge nicht, den Kaiser zu bestimmen, sich unter der Obhut der Generalstaaten diese Provinzen zu sichern gegen einen Feind, gegen den Holland einen so kostspieligen Krieg geführt hatte. Auch mit andern Gründen hatte er die Rechte des Kaisers verteidigt. In einer Nachschrift erklärte er, der holländische Sekretär, der in Brüssel residierte, habe ihm gesagt, seine Regierung würde dem Kaiser erlauben, beliebig viele Truppen nach den österreichischen Niederlanden zu senden, doch würde sie die ihrigen nicht zurückziehen. Darauf hatte Merode-Westerloo geantwortet, das bedeute, dem Kaiser ein Haus überlassen, aber die Schlüssel dazu selbst behalten. Er merkte, daß seine Argumente die Holländer in Verlegenheit brachten; deshalb erwartete er Erfolg von geschickten Verhandlungen. Am 24. Mai schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona, er habe viele Einzelheiten über Besprechungen erfahren, die Heems mit den Ge­neralstaaten hatte. Er setzte voraus, daß auch die beiden Bescheid darüber wußten. Heems beharrte hartnäckig auf seinem Standpunkt, den er auch gut verteidigte. Sollten die Generalstaaten mehr begehren, als sie schon beim Tode Karls II. in den katholischen Niederlanden besaßen, könnte Österreich sie durch die Drohung eines Umtausches dieser Provinzen ge­gen Bayern gefügig machen. Strafford, der schlimmste Feind Österreichs, hatte die Generalstaaten inständig gebeten, ihre Flotte mit der englischen zu vereinigen, wofür er ihnen die Ausführung aller Bestimmungen des Utrechter Vertrags über die Barriere und die Auszahlung einer Million zugesichert hatte. Am 28. Mai schrieb Merode-Westerloo an Rialp und Cardona, aus dem Haag erhalte er meistens nur Meldungen über die Gesamtresultate der Verhandlungen. Strafford hatte heftige Drohungen gegen die Re-

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