Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 89 liehen Reichsfürsten zu werden. Natürlich wünschte er, von Rialp fortlaufend Meldungen über den Gang solcher Verhandlungen zu erhalten. Er wußte aus sicherer Quelle, daß die Könige von Preußen und Polen seit mehreren Monaten mit Ludwig XIV. und Max Emmanuel eine eifrige Korrespondenz unterhielten. Die Generalstaaten hatten hohe Anleihen gemacht und machten große Anstrengungen zur See, aber keine zu Lande. Merode-Westerloo bedauerte sehr, daß den Holländern eine gute Regierung und ein tüchtiges Staatsoberhaupt fehlten. Er befürchetete den Untergang dieser Republik, durch den in Europa noch größere Umwälzungen entstehen könnten, als die vorhergehenden. Im Haag wurde die baldige Ankunft des Prinzen Eugen in Brüssel erwartet, aber Merode- Westerloo hätte lieber eine Erzherzogin als Statthalterin gesehen. Am 26. April schrieb Merode-Westerloo an Rialp, die Holländer seien noch immer beunruhigt wegen angeblicher Geheimklauseln im Vertrag von Rastatt. An den Tagen, an denen Kuriere von Wien ankamen, verblieben ihre Vertreter ganze Nächte auf der Post, während die der Königin von England größere Ruhe zeigten. Die Generalstaaten hatten ihre hohen Ansprüche auf Barriereplätze gemäßigt; wenn der Kaiser über einen gewandten und energischen Unterhändler verfügte, würden sie sie ganz aufgeben, da sie nur über ungenügende Truppen für die Festungen in ihrem Lande verfügten und ihr Staat durch innere Wirren erschüttert war. Die Vertreter der Seemächte hatten Merode-Westerloo am selben 26. April erklärt, die Frage des Umtausches von Bayern gegen die österreichischen Niederlande könne nicht so rasch geregelt werden, wie sie selbst noch vor einigen Tagen angenommen hatten. Der Wert der niederländischen Provinzen überstieg um das dreifache den von Bayern, aber das würde viele Wiener Minister nicht hindern, ihre eigenen Interessen in diesem Lande auf Kosten der Monarchie und ihrer treuen Diener in diesen Provinzen zu fördern17). Seine Argumente aus dem Brief vom 12. April wiederholte er fast wörtlich. Vertrauensmänner von Max Emanuel drückten in ihren Briefen ihre Erwartung eines Umtauschs ganz offen aus, während seine Anhänger in Brüssel Freudenfeuer anzündeten. Am 14. Mai 1714 schrieb Merode-Westerloo an Rialp, er habe durch vertrauliche Briefe aus Paris erfahren, der Kaiser, Ludwig XIV. und die Königin von England wollten die Generalstaaten zwingen, in den Umtausch der österreichischen Niederlande gegen Bayern einzuwilligen. Karl VI. selbst sei nicht ganz für diesen Plan gewonnen. In Namur wurden schon im Geheimen Münzen geprägt mit dem Bilde Max Emanuels und sämtlichen fürstlichen Titeln der niederländischen Provinzen. Bergeyck sollte in kurzer Frist aus Spanien nach Brüssel kommen, wahr17) „Lo que fuera hagerme una injusticia a deberme hager frayle, si su- cede aun esto.“