Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

88 Alphonse Sprunck Die Holländer hatten keinen Grund, einen Angriff Preußens zu be­fürchten, wenn sie nach dem Tode der Königin den Kurfürsten von Han­nover nach England bringen wollten. Die englischen Truppen, die noch in den österreichischen Niederlanden standen, würden dem Prätendenten aus dem Hause Stuart den Eid verweigern; auch wurde versichert, sie würden bald zurückgezogen werden. Die Vertreter der protestanti­schen Reichsfürsten, auch die des Königs von Preußen, hatten in Holland die Frage besprochen, ob in Utrecht und Rastatt die kirchlichen Bestim­mungen des westfälischen Friedens berücksichtigt worden wären 14). Die Generalstaaten hatten ihre Pläne betreffend die Barriereplätze abgeän­dert, da sie jeden Tag die Lage besser verstanden. Merode-Westerloo be­fürchtete, der Kaiser würde die tatsächliche Souveränität über seine niederländischen Provinzen unter ungünstigen Bedingungen erhalten. Immerhin könnten zuverlässige Minister, die die Lage gut kannten, bessere durchsetzen. Dieselben Nachrichten meldete Merode-Westerloo auch an Cardona. Am 12. April schrieb er an Rialp, die Generalstaaten seien sehr be­unruhigt wegen eines Gerüchtes, einige deutsche Fürsten planten für den Kaiser den Umtausch seiner niederländischen Provinzen gegen Bayern15). Die Anhänger Frankreichs waren darüber nicht so besorgt, wie ihre Gegner; am meisten Besorgnis erregte die Absendung zahl­reicher französischer Truppen an die Grenzen der österreichischen Nieder­lande. Die Haltung der Engländer war zweifelhaft. Ihr Minister, der Straf ford unterstellt war, schien Merode-Westerloo größere Ruhe zu bewa- ren, als sein holländischer Kollege. Dieser hatte ihn am 11. April be­sucht, um ihm zu melden, Heems habe im Haag einen Brief des Kaisers abgegeben, in dem behauptet wurde, die deutschen Fürsten wären Geg­ner des Planes, die österreichischen Niederlande gegen Bayern umzu­tauschen. Dieses Schreiben hatte die Generalstaaten zum Teil beruhigt, aber Merode-Westerloo befürchtete, der Umtausch würde geschehen, da er Briefe von Max Emanuel an seine Vertrauensmänner gesehen hatte und allerlei vermutete. Rialp mußte besser als Merode-Westerloo be­greifen, daß ein solcher Umtausch für Österreich unvorteilhaft wäre. Auch die Haltung der Wiener Minister war ihm ganz zuwider 16). Persönlich konnte er sich nicht abfinden mit dem Gedanken, Vasall eines gewöhn­14) Über die Schwierigkeiten, die von den protestantischen Reichsfürsten dem Kaiser für die Unterzeichnung des Rastatter Friedens gemacht wurden: C. C. P. E., Juni 1714, S. 440. ls) Über diese Umtauschpläne: Arneth, Band 2, S. 344—346. 1(i) „En fin bien desgraciados quedamos, y yo en particular, despues de haver de tan buena fé (por no degir otra cosa) sacrificado, fortuna y hazienda, veernos sacrificado de nuevo al interes particular de essos Seriores Tudescos que tienen cada uno en su particular en la Baviera, pierden el credito y honra del amo, como yo de muchos anos a esta parte he previsto.“

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