Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 87 Begünstigung solcher Art gereiche den Interessen des Monarchen und der Bevölkerung zum größten Schaden. In einer Nachschrift erklärte Merode-Westerloo, Strafford sei in Brüssel angekommen. Gerüchte wurden erzählt, Max Emanuel wolle ein Korps französischer Truppen in seinen Dienst nehmen und die Hol­länder wollten 30 000 Mann anwerben, wenn es nicht schon zu spät wäre. Jedenfalls war es dem bayrischen Kurfürsten oder Ludwig XIV. leicht, mit dem Einverständnis Englands und der Anhänger Frankreichs die österreichischen Niederlande durch einen raschen Vormarsch zu besetzen, da in den Grenzfestungen nur schwache Garnisonen waren. Von Straf­ford wurde behauptet, er wolle treue Anhänger Frankreichs in den Staats­rat bringen, sodaß die Generalstaaten zwei Vertreter von derselben Ge­sinnung ernennen würden. Denselben Brief sandte Merode-Westerloo auch am 12. Februar an Rialp, mit dem Zusatz, Ludwig XIV. unterhalte ausgezeichnete Beziehungen zum König von Polen und zum Zaren. Über die innern und äußern Schwierigkeiten der früheren Verbünde­ten Österreichs und Frankreichs war Merode-Westerloo noch besser unter­richtet als Hortiz, ohne daß er mit derselben Zuversicht Vorteile daraus für den Kaiser erwartete. Am 12. März teilte er Rialp mit, daß die Gene­ralstaaten eifrig an der Verstärkung ihrer Armee arbeiteten; Strafford redete im Haag in einem viel energischeren Tone als früher. Die See­mächte befürchteten einen Angriff Ludwigs XIV. auf Holland, falls nach dem Tode der schwer erkrankten Königin die Landung des Kur­fürsten von Hannover dort zu einer Revolution führen würde 10 *). Am 15. März bat Merode-Westerloo Rialp, ihm zu raten, ob er bei der gegenwärtigen Lage an den Wiener Hof kommen sollen). Die Hollän­der glaubten, im Vertrag von Rastatt wären geheime Artikel enthalten. Einer von ihren Ministern hatte Merode-Westerloo gesagt, er wisse durch Heems, den kaiserlichen Gesandten im Haag, Österreich würde sich damit begnügen, eine Garnison nach Luxemburg zu legen, um die Verbindung seiner niederländischen Provinzen mit dem Reich zu sichern. Diese Provinz würde er dem pfälzischen Kurfürsten überlassen; in den andern Festun­gen dürften die Holländer Garnisonen unterhalten. Heems hatte schon viele Dummheiten 12 *) gesagt und getan, aber Merode-Westerloo rechnete nicht mit der Wahrheit dieser Behauptung; allerdings würde er sich aber bei seiner Menschenkenntnis nicht wundern, wenn ein solcher Plan durchgeführt würde ls). 10) Königin Anna verschied am 1. August 1714. Ihr Nachfolger Georg I. be­auftragte seinen Vertreter in Paris, Ludwig XIV. zu erklären, er wolle die Be­stimmungen des Utrechter Friedens einhalten. C. C. P. E., Oktober 1714, S. 297. n) Veröffentlicht in den Memoiren von Merode-Westerloo, Band 2, S. 355— 357. is) Disparates im Text. is) „Aunque conociendo el mundo, como lo conozco, no lo extranaria mucho.“

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