Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

86 Alphonse Sprunck über die schlechte Regierung und Verwaltung in den österreichischen Niederlanden wiederholen 6). Merode-Westerloo hatte sich Ende 1711 nach Wien begeben, wo er seine Ernennung als Kammerherr erhalten hatte. Für Kaiser Karl zeigte er damals große Sympathie. Im Oktober 1712 trat er mit dessen Erlaub­nis eine Reise nach Neapel an, um Familienangelegenheiten zu regeln. Nach ihrer Rückkehr von Barcelona erteilte ihm die Kaiserin eine per­sönliche Audienz. In Wien verblieb er bis zum 17. Oktober 1713. Auch Merode-Westerloo erwartete von der Unterzeichnung des Frie­densvertrags keine Besserung der Lage in den katholischen Niederlan­den, wie er am 5. Februar 1714 an Cardona schrieb. Als ein Glück für sie sah er immerhin an, daß der Kaiser Cardona auf eine so wichtige Stellung ernannt hatte 7). Er selbst wollte mit den Engländern und Hol­ländern nichts zu tun haben. Die Holländer verstärkten heimlich ihre Flotte und wollten vielleicht auch dasselbe mit ihrer Armee tun. Aus Pa­ris hatte er erfahren, daß Vertreter der Generalstaaten, die vor einigen Tagen durch Brüssel gereist waren, trotz ihren Bemühungen von Lud­wig XIV. keine Audienz erhalten hatten. Am 15. Januar 1714 beglückwünschte Merode-Westerloo Rialp zu sei­ner Ernennung zum Staatssekretär in Wien. Der englische Resident und andere Persönlichkeiten redeten Merode-Westerloo wiederum zu, die Stelle des Präsidenten des Brüsseler Staatsrates anzunehmen, aber da er die Ab­sichten des Kaisers nicht kannte, gab er ihnen vorläufig keine Antwort. Rialp sollte ihm weitere Anweisungen übersenden; am liebsten hätte er die österreichischen Niederlande verlassen, doch wollte er sich dem Wil­len des Monarchen fügen. Ludwig XIV. ließ 30 000 Mann zur Küste von Calais marschieren; Merode-Westerloo glaubte, vorherzusehen, welchen Zweck er damit verfolge. Am 12. Februar schrieb er an Cardona, er hoffe, nicht mehr länger beiseite geschoben zu werden, da die Verhandlungen in Rastatt abgebrochen waren 8 9). Die Einwohner der katholischen Nieder­lande hatten erwartet, sie würden jedenfalls Untertanen des Kaisers wer­den, aber der größte und vernünftigste Teil von ihnen war unzufrieden über Gerüchte, gewisse Leute suchten die Unterstützung des Prinzen Eugen, um in den flandrischen Rat nach Wien berufen zu werden °). Eine 6) „Esperamos en Diós que tendrá luego fin este captiberio, y que llegará el tiempo de poder respirar.“ 7) „En quanto que V. E. se sirve honrar la náción flamenca, queriendose acordar que tiene abuelos que han nacido en estas partes, asseguro a V. E. que todos, que nos hallamos muy dichosos, de que V. E. quiere honrar con acordarse dello, pero en mi particular digo, que nunca ha habido flamenco tan malicioso como V. E. pues sobre todo, en aquel tiempo eramos gente buena.“ 8) Dieser Brief ist abgedruckt im Anhang der Memoiren von Merode-Wester­loo, Band 2, S. 351 f. 9) Scharfe Urteile über den flandrischen Rat im Werk von Pirenne, S. 101, und in den Memoiren von Merode-Westerloo, Band 2, S. 177 f.

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