Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 83 Sechstes Kapitel Die Friedensverhandlungen von Rastatt. Pläne eines Umtausches der niederländischen Provinzen gegen Bayern. Die Ansprüche der Holländer auf Barriereplätze. Gegensätze zwischen England und Holland nach dem Abschluß der Friedensverträge. In Paris wurde Ende November 1713 behauptet, Marschall Villars habe in Rastatt dem Prinzen Eugen günstigere Bedingungen für Österreich an- geboten J). Aber Hortiz beurteilte in Briefen vom 7. und 13. Dezember die Lage für den Kaiser sehr pessimistisch, da Ludwig XIV., trotz der Erschöpfung seines Landes, noch immer großen Stolz zeigte und die See­mächte seinem Ehrgeiz nicht entgegentreten wollten und auch nicht konnten. Die französischen Truppen könnten im Reiche eingeschlossen wer­den; weitere Aushebungen von Truppen waren in Frankreich unmög­lich. Trotzdem glaubte Hortiz, die Franzosen könnten in Rastatt durch Listen und Drohungen ihre Forderungen durchsetzen. Max Emanuel litt um diese Zeit in Compiégne an den Folgen eines Sturzes von einem Pferde. Am 21. Dezember schrieb Hortiz an Kurz, er habe erfahren, dieser sei bereit, dem Kaiser seinen Kurstaat abzutreten, wenn er dafür für sich und seine Nachfolger die Statthalterschaft über die österreichischen Niederlande erhielt. Aber Hortiz befürchtete, durch einen solchen Umtausch seien diese Provinzen für Österreich verloren, der bayrische Kurfürst sei bei der Bevölkerung dieser Provinzen sehr beliebt* 2) und mit Hilfe Frankreichs könne er die volle Souveränität über sie erlangen. Auch eventueller Widerstand von Seiten Hollands oder Englands könne diese Entwicklung nicht verhindern. Am 28. Dezember schrieb Hortiz an Kurz, er habe aus dem Haag vernommen, der Friedens­vertrag zwischen Holland und Spanien würde bald unterzeichnet werden. Die Generalstaaten hatten das Spanische Haus im Haag den Vertretern des Herzogs von Anjou zur Verfügung gestellt; Hortiz hatte nichts erfah­ren von einem Protest des Vertreters Österreichs im Haag, sodaß der Kaiser in Gefahr war, einen wichtigen Besitz zu verlieren. Von Dünkirchen hatten die Franzosen nur einige Befestigungen geschleift, sodaß sie noch immer über den Hafen verfügten; trotz ihren Behauptungen war dieser Teil der Stadt für sie der wichtigste. Die zwei einzigen englischen Regimenter, die noch in Flandern waren, plünderten diese Provinz aus, die täglich ohne jeglichen Grund tausend Gulden für deren Unterhalt ausgeben mußte. Hortiz schlug vor, den kaiserlichen Vertreter in London zu beauftragen, gegen solche Gewalt­1) Über die Verhandlungen von Rastatt: Arneth, Band 2, S. 314—336, Red­lich, S. 135 f. 2) Als Statthalter der spanischen Niederlande von 1691 bis zum Beginn des Erbfolgekrieges hatte Max Emanuel in diesen Provinzen große Beliebtheit erlangt. Pirenne, S. 30. 6*

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