Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

84 Alphonse Sprunck taten bei der Königin zu protestieren. An eine Meldung, die Kommissäre Ludwigs XIV. würden am 19. Januar 1714 in Rastatt den Friedensvertrag unterzeichnen, glaubte Hortiz nicht3). Am 1. Januar schrieb er an Kurz, diese behaupteten, auch der Kaiser habe schon Maßnahmen getroffen, um sich an den Generalstaaten zu rächen; diese Meldung hatte einige Beun­ruhigung unter ihnen erregt, zumal ihre Vertreter in Rastatt nicht zugelassen worden waren. In London war die Session des neuen Par­lamentes bis zum Februar verlängert worden. Dies war für Hortiz ein Zeichen, daß die Königin sich nicht ganz auf dessen Mitglieder verlassen durfte. Da Philipp von Anjou die Unterstützung Ludwigs XIV. zur Unter­drückung des Widerstandes der Katalonier nötig hatte, müßten dessen Vertreter in Rastatt berücksichtigen, daß ihr Land seine Truppen am Rhein nicht verstärken könnte. Um an der Besoldung der Offiziere zu sparen, hatten die Franzosen, wie Hortiz am 8. Januar an Kurz meldete, schon 70 Regimenter aufgelöst und deren Truppen mit denen anderer Regimenter vereinigt. Anfang Januar erhielt Hortiz auch aus Wien die Liste der Mitglieder des zukünftigen Rates, den der Kaiser bilden wollte für seine Länder, die früher zur spanischen Monarchie gehört hatten4). Aus Paris vernahm Hortiz um dieselbe Zeit, 10 000 Mann seien ein­geschifft worden; die einen behaupteten, sie sollten verwendet werden zur Belagerung von Barcelona, die anderen, zur Eroberung von Sardinien. Am 22. Januar schrieb Hortiz an Kurz, zwei außerordentliche Ver­treter der Generalstaaten, die nach Versailles reisten, hielten sich in Brüs­sel auf. Viele, die Ämter hatten, schmeichelten ihnen, mit der Hoffnung, in ihrem Besitz zu bleiben, wenn der Kaiser in den niederländischen Provinzen die tatsächliche Souveränität ausübe. Dies dürfe unter keinen Umständen geschehen, da alle die, die die Engländer und Holländer in die Regierung ernannt hatten, Österreich und der heimischen Bevölke­rung großen Schaden zugefügt hätten. Am 12. Februar schrieb Hortiz an Kurz, in Brüssel werde erzählt, in Rastatt habe Prinz Eugen die Verhand­lungen mit Villars abgebrochen. Er selbst hatte dies immer befürchtet, da er mit übertriebenen Forderungen von Seiten Ludwigs XIV. gerechnet hatte. Auch aus Paris wurde gemeldet, daß das ganze katalonische Volk zu den Waffen gegriffen hätte. Am 26. Februar schrieb er an Kurz, nach einem Brief, den er aus Madrid erhalten hatte, hätten sich auch die Provinzen Andalusien, Estremadura und andere wegen der hohen Steuern empört und die neue Regierung von Madrid sei in ganz Spanien sehr verhaßt. Auch wurde in Brüssel behauptet, Ludwig XIV. habe Villars 3) Der Friede wurde am 7. März unterzeichnet. 4) Über die Mitglieder dieses Rates: Arneth, Band 2, S. 350—354.

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