Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

80 Alphonse Sprunck er sich um ihr Schicksal genau so besorgt, wie um das der Bevölkerung der katholischen Niederlande 18). Im Brief vom 28. September meldete Hortiz weiter, Marlborough wäre von Frankfurt nach Antwerpen gekommen; die einen behaupteten, er würde den Winter dort verbringen, andere, er würde im Parlament seinen Sitz einnehmen. Hortiz riet dem Kaiser, seinen Vertreter in Lon­don, der kein Ansehen besaß, nach reiflicher Überlegung durch einen an­dern zu ersetzen. Am 8. Oktober, als die Franzosen Freiburg belagerten, schrieb Hortiz an Kurz, falls der Kaiser den Krieg noch im folgenden Jahre fortsetzen könne, dürfe er mit der Möglichkeit eines günstigeren und ehrenvolleren Friedens rechnen. Durch ein unvorhergesehenes Ereig­nis könnte Ludwig XIV. verhindert werden, Schiedsrichter in ganz Europa zu spielen, und sogar gezwungen werden, die Friedensbedingungen an­derer Mächte anzunehmen. Im neuen englischen Parlament gingen die heftigen Debatten um den Handelsvertrag mit Frankreich weiter. Wie Hortiz aus dem Haag vernommen hatte, stießen auch die Verhandlungen zwischen Spanien und Holland auf große Schwierigkeiten. Die General­staaten stellten Forderungen, die Spanien im Interesse seines Handels und seiner Unabhängigkeit nicht annehmen konnte. Aber durch den Friedensvertrag mit Frankreich hatten sie sich die Hände gebunden. Über die Männer, die in Brüssel das Goldene Vlies, das sie von Philipp von Anjou erhalten hatten, in der Öffentlichkeit trugen, hatten andere Berichte nach Wien gesandt, die nicht mit denen von Hortiz überein­stimmten. In einem Brief an Kurz vom 18. Oktober erklärte dieser, er habe immer darauf gehalten, die ungeschminkte Wahrheit zu sagen und genaue Erkundigungen einzuziehen. An solchen, die guten Willen heuchelten, um sich oder ihren Freunden Vorteile zu gewinnen, fehlte es in den niederländischen Provinzen nicht. In Wien wurde behauptet, Bittstellern aus diesen Ländern seien alle Türen verschlossen, während im Gegenteil die Zahl der Intriganten, die Gunstbezeigungen erhielten, sehr groß war19). Die Vertreter Philipps von Anjou waren abgereist, ohne den Vertrag mit den Generalstaaten zu unterzeichnen. Viele rech­neten mit einem neuen Krieg zwischen Spanien und Portugal nach einem Ablauf des Waffenstillstandes zwischen den beiden Staaten. In einem Brief an Kurz vom 2. November beklagte sich Hortiz wieder­um über die Mißwirtschaft in einem Lande, in dem jedermann befehlen, aber niemand gehorchen wollte. Aus Dünkirchen hatte er erfahren, daß die Engländer die Gründe der Franzosen gegen eine Schleifung dieser 18) „Compadezco infinito al infeliz estremo de estado a que se veen redu- cidos los pobres Catalanes, pues es cierto que no merecen el triste y funesto paradero que los amenaza si Dios no los asistieré con su Divino poder.“ 19) „Pero, como estan tan ordinarias en el mundo estas desigualdades, pue- den causarnos mortification, pero no novedad.“

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