Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 81 Festung nicht angenommen hatten 20). Aber Hortiz nahm an, diese wür­den bald neue Verhandlungen beginnen, um den Hafen in seinem jetzigen Zustand zu erhalten, selbst wenn sie ihn den Engländern abkaufen müßten. Der Graf von San Pedro, der den Herzog von Anjou in Utrecht vertreten hatte, weilte mit seiner Familie in Brüssel. Er beabsichtigte wahrscheinlich, sofort zur Hand zu sein, wenn die Verhandlungen zwi­schen Wien und Versailles begännen. Wenn die sogenannte Regierung der katholischen Niederlande bereit wäre, die Interessen des Kaisers zu wahren, würde sie den Aufenthalt dieses Spaniers und auch anderer Intri­ganten nicht dulden. Diese verbreiteten allerlei Gerüchte gegen den Kaiser, unter anderem, er wolle den Generalstaaten Ostende und Nieuport verkaufen und ohne Rücksicht auf die deutschen Reichsfürsten mit Frank­reich Frieden schließen. Trotz allen Einsprüchen fanden solche Gerüchte Glauben. In einem Brief an Kurz vom 3. November behauptete Hortiz wieder­um, Frankreich sei ganz erschöpft und ein weiterer Feldzug könne zu Gunsten des Kaisers einen totalen Umschwung der Lage herbeiführen. In England waren die Sitzungen des Parlamentes um einen Monat ver­längert worden. Hortiz schloß daraus, daß seine Abgeordneten der Köni­gin weniger ergeben waren, als angenommen wurde. Er wiederholte sei­nen Rat, einen tüchtigen und erfahrenen Vertreter Österreichs nach Lon­don zu senden, wo er günstig empfangen würde. In Brüssel wurde ge­redet von Reparaturen an den Festungswerken von Antwerpen und der Verstärkung dieser Garnison um ein Regiment. Diese Maßnahmen wären nötig gewesen, aber von den Holländern als versteckten Gegnern war Widerstand gegen eine Übergabe dieser Stadt an Österreich zu erwarten. Auch die Männer des Staatsrates, die sich Väter des Vaterlandes nannten, zeigten wenig guten Willen, die Interessen des Kaisers zu wahren. Heems, ein Bruder des kaiserlichen Gesandten im Haag, gewährte in den öster­reichischen Niederlanden Adelspatente, die ihm von der Reichskanzlei übersandt wurden. Nur die Kanzlei der Niederlande durfte dies tun für Vasallen des Kaisers, der in diesen Provinzen Herzog von Brabant und Flandern war; durch diese Anmaßung der Reichskanzlei verlor sie die Taxen für die Ausstellung von Titeln, die keinen rechtlichen Wert hatten, wenn sie von anderen ausgestellt wurden. Wie Hortiz in einem Brief an Kurz vom 20. November berichtete, be­haupteten die Franzosen, der Kaiser sei bereit, Frieden zu schließen. Aber vernünftige Männer behaupteten, die schlechte Lage Österreichs werde stark übertrieben. Er selbst erwartete von einem weitern Feldzug keine Verschlechterung der Lage und sprach sich scharf gegen die sofortige 20) Der Magistrat von Dünkirchen hatte die Königin von England gebe­ten, auf die Schleifung der Festung zu verzichten. C. C. P. E., Dezember 1713, S. 429—431. Mitteilungen, Band 21 6

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