Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)

SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714

Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden 79 unter der einheimischen Bevölkerung. Unter dem Vorwand von Pilger­fahrten und Prozessionen versammelten die Einwohner sich bewaffnet, trugen Abzeichen und Devisen von Max Emanuel, während sie das Land durchreisten, und riefen ihn zu ihrem König aus. Hätte dieser oder Lud­wig XIV. Truppen zur Hand, so könnten sie ohne Mühe Brüssel und die andern Städte der katholischen Niederlande besetzen. Da dieser Unfug nun einmal Wurzel gefaßt hatte, hielt Hortiz es für besser, ihn zu igno­rieren, weil die elende Regierung doch nichts dagegen tun wolle, noch könne. Aus England hatte er erfahren, daß viele Torys zu den Whigs übergegangen waren. Aus Briefen aus Spanien ging hervor, daß die Regierung von Madrid nicht mit einem solchen heftigen Widerstand der Katalonier ge­rechnet hatte. Für ihre Verhandlungen mit England und Holland konnten daraus Schwierigkeiten entstehen. Aus purer Bosheit hatte der Staats­rat verordnet, alle Briefe, die von Wien kamen, müßten parfümiert und in Essig getaucht werden, als ob sie verpestet wären. In mehreren schar­fen Unterredungen hatte Hortiz dessen Mitgliedern erklärt, diese lächer­liche Forderung sei nur böser Wille. Einige Adelige zeigten sich in Brüs­sel in der Öffentlichkeit mit dem Goldenen Vlies, das sie vom Herzog von Anjou erhalten hatten. In einem Brief vom 21. September an Kurz erklärte Hortiz, es sei besser, diese Herausforderung vorläufig zu igno­rieren, da ein Befehl des Kaisers nicht ausgeführt würde von Regierungs­behörden, die ihm weder treu noch ergeben waren. Cadogan, der zum Mitglied des Oberhauses ernannt worden war, hatte vor seiner Abreise nach London erklärt, wenn viele Abgeordnete seiner Ansicht wären, würde der Handelsvertrag mit Frankreich nicht genehmigt werden. Sehr aufmerksam verfolgte Hortiz die Ereignisse in Katalonien, wo es für die Regierung von Madrid galt, die Bevölkerung zu unterwerfen, ohne ihr Zugeständnisse zu machen. Am 28. September meldete er Kurz, die Franzosen hätten 3500 Mann von der Rheinarmee und aus dem niederländischen Grenzgebiet abgezogen und nach Katalonien gesandt; diese Hilfe bedeutete nach seiner Meinung nicht viel, da es sich um schlecht ausgebildete und mangelhaft ausgerüstete Truppen handelte. In den Kata­loniern sah er die treuesten Verbündeten des Kaisers, die ihm auf indirekte Weise wertvolle Dienste leisten könnten. Am 18. Oktober schrieb er an Kurz, die Generalstaaten hätten gedroht, Schiffe mit Trup­pen, Waffen und Lebensmitteln nach Barcelona zu senden, wenn Spanien nicht bereit wäre, ihnen gekaperte Schiffe wiederzuerstatten und ihrem Handel Zugeständnisse zu machen. Immerhin glaubte er, Frankreich würde diese Schwierigkeiten und auch den Konflikt zwischen Holland und Por­tugal regeln. Täglich liefen Truppen Philipps von Anjou zu den Kata­loniern über. Als ihr Widerstand im Frühling 1714 zu Ende ging, zeigte

Next

/
Oldalképek
Tartalom