Mitteilungen des Österreichischen Staatsarchivs 21. (1968)
SPRUNCK, Alphonse: Verteidiger der Interessen Österreichs in den südlichen Niederlanden während des Spanischen Erbfolgekrieges 1709–1714
78 Alphonse Sprunck der Kaiser keine tatsächliche Souveränität in den katholischen Niederlanden ausübe. Am 17. August schrieb er an Kurz, er habe aus dem Haag vernommen, daß Osuna und Monteleon den Friedensvertrag zwischen dem Herzog von Anjou und den Generalstaaten so weit geregelt hätten. Schwierigkeiten boten die Artikel über den Handel, da Spanien mit diesen nicht denselben Vertrag schließen wollte, wie mit England. Auch die Portugiesen waren unzufrieden, da die Holländer die Rückerstattung von zwei oder drei Schiffen und noch andere Entschädigungen forderten, die den Wert des ganzen Königreiches Portugal überstiegen. Über die verächtliche Behandlung des Königs von Portugal zeigte Hortiz eine gewisse Schadenfreude, da dieser in schimpflicher Weise um Frieden gebeten hatte. Aus Paris hatte er erfahren, daß man dort bedauerte, die Belagerung von Landau unternommen zu haben, da mit hohen Verlusten zu rechnen war. Die Engländer hatten sich beklagt, daß General Wrangel und die sogenannte Regierung der südlichen Niederlande den Holländern die Besetzung von Ostende durch ihre Truppen zugestanden hatten. Anscheinend hatten die Holländer ihren Befehl zurückgezogen; in diesem Falle hätten die Feinde die Interessen des Kaisers besser gewahrt, als seine Untertanen, auch wenn es sich um die Verteidigung ihrer eigenen handelte. Aus Paris hatte Hortiz erfahren, die Republik Genua habe Österreich den Hafen von Finale abkaufen wollen. Aber Ludwig XIV. habe ihr durch zwei besondere Abgesandte Drohungen übermittelt für den Fall, daß sie den Kaiser auf direktem oder indirektem Wege unterstützen würde 17). Genua hatte sich durch einen Vertrag verpflichtet, den Spaniern sechs große Schiffe zu liefern. Die italienischen Republiken und Fürsten hatten schon auf dem Utrechter Kongreß gezeigt, daß sie Österreich möglichst großen Schaden zufügen wollten. Ganz besonders bedauerte Hortiz, daß die kaiserlichen Truppen der Festung Landau keine Hilfe bringen konnten. Da die Franzosen einsahen, daß sie den Krieg unmöglich lange fortsetzen konnten, drängten sie beständig darauf, daß auch England und die Generalstaaten den Kaiser zwingen müßten, bald Frieden zu schließen. Aus einem weiteren Brief Hortiz’ vom 4. September erfahren wir, daß eine weitere Bitte um Unterstützung mit Geld erfolglos geblieben war. Seit 1709 hatte er, hauptsächlich in Holland, mehr als 20 000 Gulden für den Dienst des Kaisers ausgegeben. Andere, die erst Partei für Österreich ergriffen hatten, nachdem sie sich vergebens bemüht hatten, im Dienst des Herzogs von Anjou zu verbleiben, erhielten hohe Belohnungen. Mit der Duldung oder eher mit dem schlechten Willen der Regierung der niederländischen Provinzen geschahen allerlei Extravaganzen 17) Der Kaiser verkaufte 1713 Finale an die Republik Genua. C. C. P. E., November 1713, S. 337.